Die Dauer der Aufstellung ist, ähnlich wie in den burgen-ländischen Orten, verschieden. Manchmal wird die Barbarafruchteinfach nach Weihnachten 9) entfernt, manchmal wird als äußer-ster Termin Maria Lichtmeß, 10) genannt, im allgemeinen aberwird der Dreikönigstag als Endtermin angegeben 11). DieserFeiertag gilt auch in Österreich als der Zeitpunkt, an dem derChristbaum abgeräumt und aus den Stuben gebracht wird. Nachder Haussegnung durch Pfarrer und Ministranten wird dieTellersaat entfernt.
Für den Gesamtbereich läßt sich übereinstimmend sagen,daß der Weizen hernach den Hühnern oder Kühen verfüttertwurde.
Auf die Frage nach dem Sinn dieses Weihnachtsbraucheserhielt ich nur wenige Antworten. Weizen als Brotfrucht nimmtdie hervorragendste Stellung beim pflanzenbauenden Bauernein. Für ihn ist die keimende Frucht zur Mittwinterszeit, da alleBäume zu saften beginnen, von guter Vorbedeutung und zugleichstellt sie der christliche Bauer symbolisch in den Schutz der gött-lichen Vorsehung. Dazu kommt die kirchliche Sinngebung vonBrot Christus. Deshalb wurde die keimende Barbarafruchtnicht selten auch in der„ alten Heimat“ um die Weihnachtskrippegestellt, als Grünschmuck und Opfergabe 12). An legendären Er-zählungen hörte ich aus Slavonisch- Brod 13), daß Christus auf derFlucht sich in dem auf Gottes Willen hin plötzlich hochgewach-senen Weizen habe verbergen können. Vermutlich ist bei dieserdürftigen Angabe auch die Flucht nach Ägypten gemeint, dievom Mittelalter her beliebt und bekannt war. Dieser Legenden-zug findet sich im Burgenland in Kleinwarasdorf wieder 14).
Viele der Gebiete gehörten einst zu Ungarn. Wie weit einelegendäre Beeinflussung stattgehabt haben kann, läßt sich nichtgleich beurteilen, jedoch genießt auch im ungarischen Leben dasBrot und der Weizen eine große Wertschätzung. Dort gilt dieErzählung, daß der Schöpfer selbst jedem einzelnen reifendenKorn das menschliche Antlitz aufgeprägt hätte. Nach der Ver-treibung aus dem Paradies soll Gott dem Menschen gesagt haben,er möge jenes Samenkorn suchen und dann anbauen, auf dem er
9) Betschkerek, Ernsthausen; Angabe Thurn, Lager 65.
10) Ruma, Syrmien; Angabe: St. Moser, Neu- Ruma- Traun. Auch inRudolfsgnad, Banat, wird dieser Termin angegeben.
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11) Vukovar, Kroatien, Banat: Umgebung von Semlin. Franzthal.12) Kristmann, Rigjica, Bez. Sombor, Batschka.
13) Schwendemann, Slawonisch- Brod.
14) L. Schmidt, wie Anmerkung 1. S. 391.