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59 (1956) / N.S. 10
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Die katholische Bevölkerung baut allgemein am 4. Dezem-ber Weizen in ein Schüsserl. Verschiedentlich wird Erde undAsche als Unterlage genommen, seltener nur Wasser. DieseSchüsseln oder Teller werden auf einem warmen Platz, zumeistin der Nähe des Ofens aufgestellt und feucht gehalten. DerAnbau zum zweiten Termin, am Luziatag, 13. Dezember, scheintin diesem Verbreitungsgebiet nicht so häufig gegeben. Der Zeit-punkt wird allgemein als zu spät bezeichnet, denn manchenortswar es üblich, schon beim Herbergsuchen grünenden Weizen auf-zustellen. Feierlich wurde das heilige Bild zur Anbetung in dasHaus gebracht. Um dieses stellte man den grünenden Weizen,das Licht wurde sodann das erste Mal entzündet und brannte,solange das Bild im Hause war ³).

Allgemein wurde der Brauch von den Donauschwaben sogeübt, daß das Licht, eine Kerze oder ein Öllicht, am Weihnachts-tag entzündet und vor oder unter dem Christbaum aufgestelltwurde. Nur einen einzigen Beleg konnte ich finden, da in denkeimenden Weizen kein Licht gestellt wurde 6).

In Esseg und Umgebung, einem geschlossenen kroatischenSiedlungsgebiet mit deutschen Streusiedlungen, wurde die Kerzein der Tellersaat am heiligen Abend vor dem Essen entzündetund auf den Tisch gestellt, nach dem Essen wurde die Kerze miteinem Tropfen Wein ausgelöscht. Somit scheint die Verbreitungeiner kroatischen Sonderform über Agram hinauszugehen').

Ist der Weizen, der von den Donauschwaben als Frucht"bezeichnet wird, eine Spanne lang gediehen, wird er gleichmäßigabgestutzt und mit einem farbigen Seidenband umwunden.Dieses Stutzen erfolgt nicht an bestimmten Tagen, sondern nachGutdünken. Auch das Seidenband hat nicht etwa eine bestimmteFarbe, Breite oder Beschaffenheit. Man nimmt dazu ein buntesBand, manchmal auch entsprechend der Weihnachtszeit einsilbernes oder goldenes, in Kroatien verwendete man vielfachSchleifen in den Nationalfarben, blau- weiß- rot gestreift. Auch dieKerzen waren in Slavonisch- Brod in den Nationalfarben gehaltenund gedreht 8).

Altartiger erscheint der Gebrauch eines Öllichtes. In einhalb mit Wasser und Öl gefülltes Glas wird ein Schwimmer ge-geben, der lange Leuchtkraft besitzt."

S. 408.

5) H. W. Hockl, Rudolfsgnad, Banat,

6) Brestowatc.

Herr Post, Lager 63; vgl. dazu L. Schmidt, wie Anmerkung 1,

8) Schwendemann, Slawonisch- Brod.

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