Werk- Schuh breit, fast auch so hoch und obenher eine breitePlatte habend, etwas eben ist, liegt zwischen grünen Bäumen, aneinem vorbeirinnenden Bächlein, welches durch den Markt Haf-nerbach fließend, sich gleich in den Fluß Pielach ergießet und vonjedermänniglich der Zenobach genannt wird. Auf welchem Steinoder hartem Kiesel noch heutigen Tages die eingedrückten Fuß-spuren des Heiligen zu sehen sind. Nach der Alten Aussag habeSt. Zeno auf diesem Stein gebetet, geruht und große Wundergewirkt."
In diesem Bericht, der in mündlicher Tradition auch dauerndähnlich weitergegeben wird, ist also eine Beziehung zwischendem angeblichen Aufenthalt eines hl. Zeno hier in Hafnerbachund dem Spurstein geschaffen, der örtlich den Namen Zenosteinträgt. Gliedert man diese Überlieferungen wallfahrtsvolkskund-lich auf, so ergibt sich, daß hier ein charakteristischer Spursteingegeben ist, wie es gerade in Niederösterreich viele gibt, die alsWolfgangisteine oder Kolomanisteine mit den Wanderlegendenörtlich verehrter Heiliger in Verbindung gebracht wurden 4).Diese Spursteine, meist Schalensteine. die eine kleine örtlicheVerehrung im Sinn eines volksmäßigen Heilglaubens genießen,waren zweifellos häufig Ansatzpunkte einer Volksverehrung, diedie verschiedensten religionsgeschichtlichen Epochen überdauernkonnte 3). Der auffällige. Felsen hier am Rande des Dunkel-steiner Waldes wird sicherlich auch in verschiedenen Epochenvolksgläubig verehrt worden sein. Wie lange und wann zuerst,das läßt sich dabei kaum sagen, und erscheint auch nicht sowesentlich. Daß schon die frühmittelalterliche Siedlerschichtgerade solche Spursteine, Schalensteine verehrte, geht aus derGeschichte der Kolomanisteine im Lande zweifellos genugsamhervor 3). Nur dem Heiligennamen nach stellt also der Zenosteineine Besonderung dar.
Die Namengebung aber gehört zur Zuweisung des Heiligen-namens an den Ort und an den Bach, die, und zwar ganz für sichhier an der Donau, eben dem hl. Zeno zugeordnet waren. DieseVereinsamung in der Landschaft hat es zweifellos mit sich ge-bracht, daß die barocke Legendenfreudigkeit nicht etwa an denHeiligen von Verona dachte, sondern einen obskuren Wander-
34) Gustav Gugitz, Niederösterreichische Schalensteine im Volks-glauben( Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, N. S. Bd. IV, Wien1950, S. 97 ff.).
35) Rudolf Kriss, Die religiöse Volkskunde Altbayerns,_dar-gestellt an den Wallfahrtsbräuchen. Baden bei Wien 1933. S. 55 ff.
36) Vgl. z. B. Josef Pöttinger, Niederösterreichische Volkssagen.Wien 1950. S. 219.
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