deute vielleicht auf Prügel im Hinblick auf„ zen“, wobei er anden Ochsen- ,, Zen“, die wohlbekannte Schlagwaffe denkt ³).
Ein Nebensinn dieser Art kann in der Stelle selbstverständ-lich enthalten sein. Es fragt sich jedoch wohl zunächst, ob wirnicht einen Hauptsinn suchen sollten, der sich aus der zeitlichenund örtlichen Bindung der Neidhartschen Lieder ergeben könnte.Die Situation ist doch die, daß die Tullnerfelder Bauern, undvon diesen handeln ja die Lieder fast ununterbrochen, eine ArtVerwünschung ausrufen, ganz ähnlich wie Dietrich von Bernseinen Gegner Witege verwünscht. Martin hat da die Heran-ziehung der Heiligen in der Verwünschung des Gegners richtiggesehen. Es fragt sich nun vor allem, um welchen Heiligen es sichdabei handelt, ob durch seine Heranziehung der Fluch besonderssinnvoll wird. Bei Dietrich von Bern ergibt sich das zumindestfür den an zweiter Stelle genannten Heiligen ganz eindeutig:„ Sant Zêne" in der Rabenschlacht ist der in Verona hochverehrtehl. Zeno, dem dort gleich zwei Kirchen geweiht waren, von deneneine eben aus der Zeit des Rabenschlacht- Epos ja noch steht.Dietrich von Bern, also von Verona, ruft völlig milieugetreu eineVerwünschung aus, die auf den Spezialheiligen von VeronaBezug nimmt. Die Begründung der Voransetzung des burgun-dischen hl. Gangolf scheint mir noch nicht ganz geklärt. Als wört-lich- sachliches Gegenstück zum hl. Wolfgang muß er hier dochauch in einer bestimmten Absicht zitiert sein ⁹).
Während also diese Frage des Rabenschlacht- Epos noch nichtgeklärt werden kann, scheint sich die Zitierung des hl. Zeno imNeidhart- Lied eventuell doch schon erhellen zu lassen. Bei derRabenschlachtstelle war daruf hinzuweisen, daß Dietrich vonBern den berühmten Veroneser Heiligen sehr lokalgetreu zitiere.Wie steht es nun bei Neidhart hier im Tullnerfeld, also mittenin Niederösterreich, nördlich der Alpen und sehr weit vonSt. Zenos Kultstätte in Verona entfernt?
Versucht man sich über die Zeno- Verehrung zu orientieren,so ergibt sich zunächst, daß eine recht beachtlich große Zahl vonHeiligen diesen oströmischen Kaisernamen trägt. Schon die nor-malen Heiligenlexika verzeichnen nicht weniger als neun Heilige
8) Wiener, ebendort, mit Hinweis auf Schmeller- From-mann- Maußer, Bayerisches Wörterbuch. Neuausgabe. Leipzig 1939.Bd. II, Sp. 1131.
9) Richard Beitl, Wörterbuch der deutschen Volkskunde. 2. Aufl.Stuttgart 1955. S. 231.- Karl Rohner, St. Gangolf. Pfarrkirche undPfarrei zu Amorbach. Amorbach 1953. S. 18 ff.
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