Rappweiler( Nr. 271), der gespenstische Trommler, wie im Elsaß( Nr. 265,364), der an die alemannischen Dengelmänner erinnert. Volksheiligen-legenden( z. B. von der kleinen Sünde, Nr. 70) und Erinnerungen anKulte verschiedenster Epochen, nicht zuletzt christlicher des frühenMittelalters( Nr. 393) bereichern die Sammlung in willkommenster Weise.So liegt hier eine der wertvollsten Erscheinungen unserer Zeit aufdiesem Gebiet vor, eine Sagensammlung, die zur Erschließung dergeschichtlich gewordenen Volkskultur des deutschen Westen entschei-dend beiträgt.Leopold Schmidt.
Kaspar Freuler und Hans Thürer, Glarner Sagen. Gesammeltund herausgegeben. Glarus, Schweiz, 1953. Verlag Tschudi& Co.207 Seiten.
In den letzten Jahren sind einige landschaftliche Sagensammlungender Schweiz erschienen, die anscheinend außerhalb der eidgenössischenGrenzen nur wenig bekannt geworden sind. Ich möchte auf K. W.Glaettli, Sagen aus dem Zürcher Oberland, Winterthur 1951, 92 Sei-ten) hinweisen, wo für dieses doch sehr stadtzivilisiert erscheinendeGebiet immerhin 50 Sagen aus älteren Aufzeichnungen zusammen-gebracht werden konnten.
Im Kanton Glarus hat während seiner Militärdienstzeit der Richard-Weiß- Schüler Heinrich Burkhardt gesammelt, und zwar hauptsäch-lich Totengeschichten, die er dann in seiner Dissertation„ Zur Psycho-logie der Erlebnissage" verwertete. Die psychologische Auswertungdieser Sagen als Erlebnisberichte scheint mir problematisch und zumin-dest für eine kulturhistorische Sagenforschung nicht von erstrangigerWichtigkeit. Aber das vom Verfasser wie von Gerevini aufgezeich-nete Material, hauptsächlich alpine Wiederkehrergeschichten, zum Teilmit guten alten Motiven( Heuhelferin, Dengelmann. Nachtmähder usw.)ist wertvoll. Einige Proben daraus sind nunmehr auch in die vorliegendeneue Sammlung von Glarner Sagen übergegangen, welche offenbar einegewisse Lücke in der Serie der kantonalen Schweizer Sagensammlungenausfüllt. Die 145 Nummern sind nach den Kleinlandschaften: Unterland,Mittelland, Hinterland und Sernftal gegliedert. Neben weit verbreitetenMotiven stehen stark alpin betonte Geschichten( tote Heuerin, Dengeler).aber auch begrenzt mythische Motiverzählungen wie die von derSpinnerin( dem Pulsterewibili, S. 189). Es wäre an der Zeit, diese Grup-pen an Hand der nun schon zahlreich vorliegenden neuen Sammlungeneinmal sagenkartographisch zu ordnen. Gerade anläßlich des Erscheinensimmer neuer Lieferungen des ,, Atlas der schweizerischen Volkskunde"scheint mir das näher zu liegen als psychologische Versuche, welche dielandschaftliche Bindung aufheben.Leopold Schmidt.
Heinrich und Albert Edelmann, Das Toggenburg. Landschaft,Geschichte, Volkskunst( Schweizer Heimatbücher, Bd. 52). 20 Seiten.1 Kartenskizze, 3 Zeichnungen, 32 Bildtafeln. Bern 1952, Verlag PaulHaupt. Fr. 4,50.
Erfreulich wie alle Bändchen dieser schönen Serie, und für unsnoch besonders wichtig, weil zwei ausgezeichnete Kenner der Toggen-burger Volkskunst darüber berichten. So kommen denn Hausbau, Innen-einrichtung, Möbel und Senntum- Kunst der Heimat Ulrich Bräkersdurchaus zu ihrem Recht. Die Hochzeitstruhe des..Armen Mannes imToggenburg" von 1751( S. 49 Abb.) wird besondere Anteilnahme finden.Leopold Schmidt.
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