Wilhelm Schmülling, Hausinschriften in Westfalen und ihreAbhängigkeit vom Baugefüge( Schriften der volkskundlichen Kom-mission im Provinzialinstitut für westfälische Landes- und Volks-kunde, H. 9). Münster i. Westfalen 1951, Aschendorffsche Verlagsbuch-handlung. 188 Seiten, mit 82 maßstäblichen Zeichnungen im Text und4 Karten im Anhang.
In dieser Schriftenreihe sind in den Jahren 1939 bis 1943 sehrwichtige Arbeiten zur Bauernhausforschung erschienen, zuletzt die be-deutende Überschau von Josef Schepers, Das Bauernhaus in Nord-westdeutschland, als Heft 7. Der Leiter der Schriftenreihe, Jost Trier,hat offensichtlich bedeutenden Anteil an der Betrachtungsweise seinerMitarbeiter, der westfälische Landesbaupfleger Gustav Wolf gibt dieGewähr für die Sachlichkeit der Darstellungen vom Standpunkt dersogenannten technischen Hausforschung her.
Der vorliegende Band geht gleichfalls auf die Anregungen des,, hauskundlichen Arbeitskreises" in Münster zurück. Während die ältere,im Bereich aller Fachwerkbauten sehr eifrig betriebene Sammlung derHausinschriften hauptsächlich die Inschriften selbst und mitunter nochderen formale und inhaltliche Zusammenhänge zu erheben trachtete,hat Schmülling die Inschrift auf das Haus bezogen, sieht sie in ihrerAbhängigkeit vom Baugefüge". Man bekommt also Einblick in dieInschriftarmut des„ urtümlichen Ankerbalkenbaues" im westlichen Mün-sterland, in den Inschriftenbestand des„ eingewanderten fortschrittlichenDachbalkenbaues" im inneren Münsterland und besonders in denInschriftenreichtum der Häuser am Hellweg( worüber schon H. 2 dieserSerie, Fritz Wallmeyer, Das Bauernhaus am mittleren Hellweg,1939, S. 35 ff., unterrichtete), und schließlich in die von Schmüllingerschlossenen Quellen und Wege dieses Volkskulturgutes. Das Kapitelüber den Oberweserraum als gemeinsame Quelle der Haus- und In-sebriftneuerungen für das gesamte niederdeutsche Hallenhausgebietwird sehr aufschlußreich dargestellt. Der vom 16. Jahrhundert ansteigende Einfluß des Oberwesergebietes wird durch mehrere Parallelengestützt. Da läßt sich also aus der Hausforschung ein ganz beträchtlichesStück Geistesgeschichte der niederdeutschen Einzellandschaften ablesen,was sicherlich als Gewinn gebucht werden muß. Leopold Schmidt.Martha Bringemeier, Über Schäfer und Schafzucht. Berichte. AusBeständen des Archivs für westfälische Volkskunde zusammengestellt( Archiv für westfälische Volkskunde in der Volkskundlichen Kom-mission, Münster, Westfalen, Bd. 2). 115 Seiten. Münster( Westf.),1954. Als Manuskript vervielfältigt.
Die lange Zeit vernachlässigte Hirtenvolkskunde gewinnt offen-sichtlich vielenorts an Interesse. Von den umfangreichen Untersuchun-gen, die Wolfgang Jacobeit angestellt hat, ist leider noch nichtsehr viel zutagegetreten. Vgl. Jacobcit, Transhumanz und Wander-schäferei( Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde, DeutscheAkademie der Wissenschaften zu Berlin, Bd. 5, 1954, S. 70 ff.). Soebenwird aber eine württembergische Arbeit: Theodor Hornberger,Der Schäfer- von der landes- und volkskundlichen Bedeutung einesBerufsstandes in Süddeutschland, angekündigt, der als Bd. 11/12 der,, Schwäbischen Volkskunde" von der Württembergischen Landesstelle fürVolkskunde in Stuttgart, 1955, bei W. Kohlhammer herausgebrachtwerden soll. Und nun liegt hier in einem photomechanisch hergestelltenSammelbändchen vor, was die Mitarbeiter des Archivs für westfälische
174