Rumpf eine bedeutende eigene Leistung. Rumpf ist in der Volkskunst-forschung seinen eigenen Weg gegangen, der anläßlich seines Buches„ Eine deutsche Bauernkunst" nicht unangefochten geblieben ist. Aberder geschulte Architekt hat einen eigenen Sinn für die volkskunst-lerischen Dinge, zeichnet seine Materialaufnahmen vorzüglich klar undgenau und eröffnet immer wieder den Blick auf sonst kaum geseheneDinge. Das Buch steht im Rang zweifellos höher als viele ältere Bändeder verdienstvollen Reihe.
Adolf Spamer, Sachsen. 2. neubearbeitete Auflage. 114 Seiten,12 Farbtafeln, 262 Abbildungen auf Tafeln, unnumerierte Abbildun-gen im Text. Weimar, Hermann Böhlaus Nachfolger, 1954.
Das ist das letzte Buch, das Spamer noch wirklich fertig gestaltenkonnte. Ein Exemplar der ersten Auflage hat er mir gegeben, als ichihn 1944 zum letzten Mal im Leben sah. Es ist äußerst erfreulich, daßvon diesem schönen Werk nunmehr eine Neuauflage erscheinen kann,die nach Papier und Abbildungen besser als jene erste Auflage ist. DieFarbabbildungen( Hinterglasbilder, Keramik, Möbelmalerei usw.) sindeine Bereicherung des Werkes. Den Text hat Friedrich Sieber als Her-ausgeber behutsam behandelt. Die wenigen Striche und Änderungentragen den heutigen Verhältnissen in Ostdeutschland Rechnung, ohnedaß Spamers reifes Meisterwerk das Buch ist bei weitem besserkonzipiert und geschrieben als die anderen Bände der Serie zuSchaden gekommen wäre. Auf dem Klappentext wird Spamer als„ Alt-meister" bezeichnet. Das war er nicht. Wer ihn kannte, weiß auch heutenoch, daß er viel mehr war, als ein altgewordener Gelehrter, dem manmangels besserer Ausdrücke einen derartigen Handwerkertitel verleiht.Spamer war kein Handwerker, gerade weil er das Handwerksmäßigean der Wissenschaft so meisterlich beherrschte. Er war einer jenerkünstlerisch denkenden Forscher, die ihre Erkenntnisse stilistisch vor-züglich formulieren können, lesbare Bücher schreiben, ohne die Sachlich-keit preiszugeben. Kurz gesagt, es stand eben ein wirklich bedeutenderMensch hinter dem Fachmann. Und das merkt man besonders aus diesemBuch, dessen Materie sich zweifellos besonders schwer meistern ließ,und die nur von einem so von Liebe zu den Menschen und zu denDingen erfüllten Gelehrten gemeistert werden konnten, wie es ebenAdolf Spamer war. Die vorliegende zweite Auflage dieses Buches isteine Anerkennung dieses Sachverhaltes, und auch deshalb herzlich zubegrüßen.Leopold Schmidt.
Erich Meyer- Heisig, Deutsche Volkskunst. Mit einem Geleitwortvon Ludwig Grote. 48 Seiten mit Textabbildungen, 4 Farbtafeln und102 Schwarzweißbilder auf Tafeln. München 1954, Prestel Verlag.
Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg hat eine guteTradition der Volkskunstsammlung. Es besitzt seine berühmten Stuben,seine Trachtensammlung, und schöne Reihen aus allen Stoffgebieten.Seit Erich Meyer- Heisig diese Sammlung verwaltet, erweist sich dasgroße Nürnberger Museum wieder als wichtiges volkskundliches Zen-trum. Meyer- Heisig hat zunächst die Stuben wieder in einem gutenBuch zugänglich gemacht.
Dann hat er im Vorjahr eine große Ausstellung der alten Töpfer-kunst veranstaltet, zu der auch alle österreichischen Museen Leihgabenbeigesteuert haben. Die Ausstellung ist in einem hübschen Katalog fest-gehalten: Mit Drehscheibe und Malhorn. Ausstellung volkstümlicher
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