Jahrgang 
58 (1955) / N.S. 9
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Festschrift Julius Franz Schütz. Unter Mitwirkung der SteiermärkischenLandesbibliothek herausgegeben und redigiert von BertholdSutter. XVI und 493 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Graz- Köln1954. Verlag Hermann Böhlaus Nachf.

Festschriften wie diese werden nicht zur Besprechung eingesandtund ihre Beiträge können daher häufig der Fachwelt nicht bekannt-gegeben werden. Aber unsere Bibliothek hat diesen wie so manchenähnlichen Band eben gekauft, und die für unser Fach wichtigen Beiträgeseien daher hier wenigstens genannt:

S. 388 ff.: Hanns Koren, Kultmahl und Heischegang.

Eine sehr wichtige Arbeit, die zu einer organischen Betrachtungdes Heischewesens aufruft. Das magische Moment muß nicht einursprünglich selbständiges Aufbauelement eines Heischeganges sein,sondern kann sich als eine zusätzliche und nachträgliche Anreicherungeines nüchternen Lohnempfanges erweisen. Die neue Ausgangsstel-lung zur Betrachtung des Heischebrauches sehen wir in der Erkenntniseines Zusammenhangbereiches, in dem die Darbietung von Lohn, Zins,Opfer und Almosen in der Herleitung aus dem kultischen Mahl eineinnere Einheit besitzt. Gleich auch bleibt von den Kleinformen bis zuden großen Spielbräuchen der Gedanke, daß alles belohnt werden muß,daß der Lohn vom Tische weg, d. h. in Gestalt der Speise gegeben wird,und daß schließlich jeder Lohn wieder vergolten werden muß durchGlückwunsch oder Ehrung." Das sind wohldurchdachte Gedankengänge,denen man sicherlich weitgehend zustimmen wird. Koren hat erst vorkurzem veröffentlicht, was er schon vor zwanzig Jahren über dieseDinge gearbeitet hat: Die Spende. Eine volkskundliche Studie über dieBeziehung ,, Arme Seelen Arme Leute". Graz- Wien- Köln, Styria, 1954.171 Seiten. Die Arbeit war eine notwendige Stufe auf Korens geistigemWeg. Aber die hier nun vorliegende kurze Abhandlung scheint mir derVolkskunde von heute mehr zu bieten.

Die anderen Abhandlungen können nur dem Titel nach angeführtwerden:

S. 59 ff. Friedrich Wilhelm König, Ein Festkalendarium ausdem armenischen Alpenland im 9. bis 7. Jahrhundert v. Chr.S. 54 ff. Wilhelm Brandenstein, Die Reichsgründersage desmakedonischen Herrscherhauses.( Vgl. oben Bd. IX, S. 18.)

S. 90 ff. Camilla Lucerna, Urzeitliches in einem jugoslawischenVolkslied.

S. 142 ff. Josef Matl, Zwei satirische Volksdichter der untersteirischenWindischen Büheln: Leopold Volkmer und Andrej Gutman.S. 101 ff. Leopold Kretzenbacher, Der Graf von Backenweil.Ein Heimkehrerspiel auf dem steirischen Barocktheater.

Aus dem Gebiet der Volksgeschichte, das in mehreren Arbeitenangeschnitten wird, sei nur eine Abhandlung hervorgehoben:S. 224 ff. Erich Swoboda, Zur Frage der Romanisierung.

Für den Museologen enthält der Festband noch einen besonderenLeckerbissen:

S. 179 ff. Otto Reicher, Prolegomena zur Anwendung harmonikalerPrinzipien in Museen. Zur Neuaufstellung des Museums für Kultur-geschichte und Kunstgewerbe am Steiermärkischen LandesmuseumJoanneum.Leopold Schmidt.

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