Jahrgang 
58 (1955) / N.S. 9
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dem Volksschulhauptlehrer i. R. und Volksliedforscher KarlMagnus Klier in Wien;

dem Volksliedforscher Pfarrer Helmut Pommer in Bregenz;dem geistlichen Rat Pfarrer Dr. phil. Dr. theol. Matthias Mayerin Going, Tirol.

( Verordnungsblatt für den Dienstbereich des Bundesministeriums.für Unterricht, Jg. 1955, 1. Juli 1955, 7. Stück, S. 107 f.)

Literatur der Volkskunde

Deutsches Jahrbuch für Volkskunde. Herausgegeben vom Institut fürVolkskunde an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zuBerlin, durch Wilhelm Fraenger. I. Band, Heft 1/2, Jahrgang1955. Berlin, Akademie- Verlag. 500 Seiten, zahlreiche Abbildungen imText, 12 Bildtafeln. DM 28,-.

Die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin hat sich inden letzten Jahren bedeutende Verdienste um die Organisation derVolkskunde erworben. Aus der von Adolf Spamer gegründeten Volks-kunde- Kommission der Akademie ist ein Institut hervorgegangen, dassich eine eigene Schriftenreihe gegründet hat. Sie hält schon beim VII.Band, ihr rasches Wachstum in den allerletzten Jahren hat praktischfast alle benachbarten Serien hinter sich gelassen. Nun hat das Institutauch noch eine Zeitschrift geschaffen. Auf die Absicht dieser Gründungkonnte schon vor einiger Zeit( diese Zeitschrift Bd. VIII, S. 165 f.) hin-gewiesen werden. Nun liegt die Neugründung in Form eines überausstattlichen Jahrbuches vor, und man erkennt sogleich, daß es sich nichtum eine Nachfolge der Zeitschrift Deutsche Volkskunde" handelt, son-dern weit eher um eine neue Form des Jahrbuches für HistorischeVolkskunde", das ja einstmals ebenfalls von Wilhelm Fraenger be-gründet wurde. Selbstverständlich ist aber dieses neue Deutsche Jahr-buch keine mechanische Folge des früheren Jahrbuches" geworden,schon als ostdeutsche Publikation trägt es ein eigenes Gesicht. Das Vor-wort der Schriftleitung macht auf die besonderen Aufgaben und Ziele,die sich dem Institut wie seinem Jahrbuch ergeben, eigens aufmerksam.Die Herausarbeitung der demokratischen Tradition in Volkslied, Mär-chen, Sage usw." ist da ein eigener Punkt, dann die systematischeErforschung der materiellen Volkskultur", ferner Untersuchungen zurArbeiter- Volkskunde". Das sind deutlich markierte Eigentendenzen.

Aus den Abhandlungen dieses ersten Bandes werden manche dieserEigentendenzen schon wohl erkennbar. Da schreibt der deutsche Lektorin Helsinki, Erich Kunze, über Die drei finnischen Runen in derVolksliedersammlung des jungen Marx", und Günther Voigt in Berlinberichtet über Friedrich Engels und die deutschen Volksbücher". Wil-helm Fraenger hatte schon in der Spamer- Festschrift( Veröffent-lichungen der Kommission für Volkskunde, Bd. II, Berlin 1953, S. 126 ff.)sehr aufschlußreich über das merkwürdige Bauernkriegs- Denkmal ge-handelt, das Albrecht Dürer entworfen hat. Nun greift er in der Be-handlung des Dürerschen Holzschnittes Der Teppich von Michelfeld"ein nahe verwandtes zeitkritisches Thema auf. Da spannen sich auchdie alten Beziehungen zur Rechtsgeschichte wieder: Fraengers Arbeitist Haus Fehr zum 80. Geburtstag gewidmet, und Fehr selbst hat einenBeitrag Altes Strafrecht im Glauben des Volkes" zur Verfügung gestellt. Ein besonderes Anliegen des Institutes ist auch die Wissenschafts-

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