durch: starke wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen Glaserzeugerund Glasmaler( Glasveredler).
2. Die Hinterglasmalerei war ein bäuerliches„ Nebengewerbe"und wurde als Hauskunst stets daheim betrieben. Der Zwang zurAusübung dieses Kunstgewerbes lag in der Armut der Waldland-schaft mit den schlechten Bodenerträgen und der außergewöhn-lichen Ungunst der Klimalage. So liegt der Ort Sandl, 15 km nö.von Freistadt, im obersten Mühlviertel Oberösterreichs, 927 mü. M. Außerdem waren( und sind heute noch) die Bauernhöfekleinsten Umfanges, so daß man damals wie heute bei diesenZwergbetrieben gerne von„ Häuslern" spricht. Die Arbeit imherrschaftlichen Forstbesitz war damals recht beschränkt( Ver-kehrsungunst, keine eisenschaffende Industrie, keine Holzschleife-rei trotz großem Waldreichtum). Die Landwirtschaft selbst botkaum Lebensgrundlage, so daß die Glashütten willkommene Exi-stenzmöglichkeit schufen. Allein auch dort fanden sich nur be-schränkt Arbeitsplätze. Naturgemäß lag es nahe, in der Glasver-edlung weitere Existenzgrundlagen zu suchen 2).
3. Die Hinterglasmalerei wurde als Hausgewerbe von derganzen Familie betrieben. Sie war außerdem in ihrer Blütezeitein„ ehrsames und zunftgerechtes" Gewerbe. Die Ausübung warfamilientraditionell und pflanzte sich vom Vater auf den Sohnfort. Einheiraten kamen häufig vor ³). Es mußten durchaus patri-archalische Verhältnisse geherrscht haben.
4. Die Hinterglasmalerei wurde insoferne auch„ industriell"betrieben, als eine ausgesprochene Serienerzeugung dereinzelnen Bilder stattfand. Nur so erklären sich die großen Pro-duktionsziffern, über die uns Buchner( nach Angaben der,, Statistisch- topographischen Beschreibung des Landgerichtes Wolf-stein 1830"[ Unterer Bayerwald]) berichtet.„ Die 5 Glastafel-maler", heißt es in der Topographie,„ fertigen jährlich zwischen50- und 40.000 Stück kleine Glasmalereien, meistens Heiligen-bilder, im Werte von etwa 5000 fl., welche teils im Inland, größten-
2) Dies hat auch Friedrich Knaipp, Die bäuerlichen Hinterglas-bilder von Sandl, Buchers und Umgebung( Oberösterreichische Heimat-blätter II, 1948, S. 214–226), erkannt, wenn er schreibt„ Schon früh wardie Kleinbauernbevölkerung in den kargen und armen Waldland-schaften zur Verbesserung ihrer Lebenshaltung durch alle Arten vonHausgewerbe gezwungen. Die Errichtung von Glashütten in den holz-reichen Gebieten warf willkommenen Verdienst ab. Und hier, als Glas-hüttenarbeiter, lernten die Wäldler mit dem Rohstoff Glas umgehen“( S. 218). An anderer Stelle( S. 226) spricht Knaipp bezeichnenderweisevon der Sandler Hinterglasmalerei als„ eine Art von Kleinbauernhilfe“.3) Buchner, S. 4.
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