So entstanden die Sandlbilder
Ein Beitrag zur Geschichte der Hinterglasmalerei im oberöster-reichischen Mühlviertel
Von Fritz Fahringer
Die unmittelbar,„ hinten“ auf Glastafeln aufgemalten Heili-genbilder, bilden auch heute noch einen farbenprächtigen Schmuckmancher Bauernhäuser und waldeinsamer Bildstöcke. Ihrem zer-brechlichen Charakter einerseits und zufolge der Änderung derGeschmacksrichtung anderseits, werden sie immer seltener. Wohlfehlte es nicht an Versuchen, diese alte bäuerliche Hauskunstwieder zu erneuern, und zwar durch städtische Kunstgewerblerund oftmals Kunstmaler selbst. Dies war insbesondere knapp nachdem letzten Kriege, etwa in den Jahren 1945 bis 1947 z. B. in derSteiermark der Fall. Diese Erneuerungsbewegung war jedochnicht„ echt", sondern entsprang der Nöte dieser Jahre. Zudemwurden stets nur Unikate gemalt, entweder nach vorhandenenalten Hinterglasbildern oder künstlerisch frei schaffend. Auchfanden diese Glasbilder kaum mehr Eingang in Bauernhäuser( daden Bauern dafür fast immer der Geschmack fehlte), sonderndienten vornehmlich als Bildschmuck städtischer„ Bauernstuben".
Wesensmerkmale echter Hinterglasmalerei
Der miẞlungene Versuch der Wiederbelebung dieser Volks-kunst zwingt zur Definition der„ originalen“ Hinterglasmalerei.Die charakteristischen Merkmale derselben sind:
1. Engste Verbundenheit mit ortsnahen Glashütten, welchebillige Bezugsmöglichkeit der Tafeln sicherten. Im Gegensatz zuroberbayrischen Hinterglasmalerei bildete sich in der Böhmer-wald- Landschaft( zu dem unser Sandl gehört) ein handwerks-geschichtliches Verhältnis zwischen Glashütte und Glasmaler, mitvielfach persönlichen Beziehungen zu den„ Tafelmachern" ¹). Da-
1) Seite 4/5 des Standardwerkes über die Hinterglasbilder: Hein-rich Buchner, Hinterglasmalerei in der Böhmerwaldlandschaft undin Südbayern. Beiträge zur Geschichte einer alten Hauskunst. München,1936.
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