Literatur der Volkskunde
Kultur und Volk. Beiträge zur Volkskunde aus Öster-reich, Bayern und der Schweiz. Festschrift für Gustav Gugitzzum achtzigsten Geburtstag. Herausgegeben von Leopold Schmidt.Wien 1954( Veröffentlichungen des Österreichischen Museums fürVolkskunde, Bd. V). XII, 423 S., 32 Tafeln mit 65 Abb.. 3 Abb. und6 Karten im Text, 1 Photo. S 148.-.
Bereits das warm empfundene Geleitwort des Herausgebers be-deutet eine schöne Ehrung für den schlichten und einfachen, beneidens-wert belesenen und nimmermüden Mann, dem diese Festschrift zuge-eignet ist, für Gustav Gugitz, den Achtzigjährigen. Durch Jahrzehntehindurch hat er sich mit österreichischer Geistes- und Kulturgeschichte,mit Literaturwissenschaft und Theaterforschung beschäftigt, er hat sichbald auch verschiedenen Gebieten der Volkskunde zugewendet und vorallem ist er tief in die Probleme der religiösen Volkskunde, besondersder Wallfahrtsforschung. vorgestoßen. Seine hervorragende Sammlungkleiner Andachtsbilder ist kürzlich in den Besitz des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde übergegangen. Durch seine eingehende For-schungstätigkeit und durch die Reihe von ausgereiften, sorgfältig fun-dierten und belegten Werken, welche Gugitz in den letzten Jahrenherausgebracht hat, gehört er zu den großen Anregern der österreichi-schen Volkskunde, einer Volkskunde, die im Laufe eines Jahrzehnts einewahrhaft erstaunliche Zahl an bedeutenden Leistungen veröffentlichthat. Zu diesen Leistungen gehört sicherlich auch diese schöne Festschriftfür Gugitz. Wir haben selten eine Festschrift von dieser Geschlossenheitdes Themenkreises und dabei doch von einem beglückenden Reichtuman Anregungen und Forschungsergebnissen gelesen: es gebührt sich des-halb, auch dem Herausgeber für die überlegene Leitung in der Gestal-tung der Festschrift ein Kränzchen zu winden, nicht minder aber auchallen Beiträgern für den Geist, in dem sie Gugitz ihre Artikel widmeten.Denn diese Beiträge sind so geschrieben, daß dem Rezensenten nichtsanderes übrig bleibt wollte er nicht alle in Bausch und Bogen über-haupt weglassen- als sie alle gesamthaft kurz zu erwähnen. Wennbeim einen oder anderen Artikel etwa ein Satz mehr steht, so möchtedas nur sagen, daß den Rezensenten der betreffende Aufsatz aus irgend-einem persönlichen Grunde besonders angezogen hat.
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H. Aurenhammer beschäftigt sich mit den Bildvorstellungender Wiener Mystikerin Christina Rigler( 1648-1705): die von ihr ver-ehrten und zur Verehrung empfohlenen Bilder werden nach ihremfunktionellen und historischen Ort geordnet: Christina Riglers Stellungmuß zu ihren Lebzeiten außerordentlich gewesen sein, doch ist sie ohneweitere Auswirkung geblieben.- Der Schweizer Beitrag in der Fest-schrift stammt von E. Baumann: er schildert die Wallfahrt zumKatakombenheiligen Leontius in Muri. dessen Translation ausführlich er-wähnt wird: interessant ist auch der Hinweis auf die Taufe totgeborener
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