Jahrgang 
58 (1955) / N.S. 9
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graphie. Zu seinem 80. Geburtstage herausgegeben von Hugo Hassingerund Karl Lechner, Wien 1948, genannt. Auch der von Becker mitheraus-gegebene Atlas von Niederösterreich" wird sein Andenken dauerndwacherhalten. Mit der niederösterreichischen Landeskunde verliert auchdie niederösterreichische Volkskunde einen großen Anreger und För-derer. Wir alle aber haben mit Becker einen gütigen, warmherzigenMenschen verloren, der jederzeit vom besten Willen zu einer ehrlichenZusammenarbeit mit uns erfüllt war. Hohe Ehre seinem Angedenken.Leopold Schmidt.

Walter Krieg

Am 5. Jänner 1955 ist der Buchhändler und Verleger Walter Kriegin Wien gestorben. Der 1901 in Altenburg in Thüringen Geborene hatin der deutschen Volkskunde der letzten Jahrzehnte eine beträchtlicheRolle gespielt. Er war an dem Verlag Herbert Stubenrauch beteiligt, dersich bei seiner Gründung 1923 die besondere Pflege der historischenVolkskunde als Aufgabe stellte. Wilhelm Fraenger konnte in diesemjungen Berliner Verlag sein Jahrbuch für historische Volkskunde"gründen, das einige Jahre hindurch tatsächlich berufen schien, ein Organvon hohem Rang zu werden. Nach wenigen Jahren zog sich Dr. Stuben-rauch von dem Verlag, der in der Inflation schwer gelitten hatte, zurück,und Walter Krieg übernahm die ganze Verlagsarbeit. Er versichertesich zunächst der Mitarbeit der wichtigsten Volkskundler Berlins, diejeder für sich Schriftenreihen ihrer Fachgebiete gründeten: JohannesBolte die Alten Erzähler, Fraenger und Spamer die Denkmale derVolkskunst und Fraenger mit Krieg zusammen die Kleine volkskund-liche Bücherei". Freilich kam kaum eine dieser Reihen über die erstenBände hinaus. In den ersten Jahren des Nationalsozialismus versuchteKrieg sein Verlagsgebiet Volkskunde noch weit intensiver als vorherdurchzusetzen. Adolf Spamer gab bei ihm seine zweibändige DeutscheVolkskunde heraus. Gleichzeitig stiftete Krieg den Wilhelm HeinrichRiehl- Preis der deutschen Volkskunde", um die besondere Stellungseines Verlages zu unterstreichen. Die Stiftung war allerdings nicht sehrerfolgreich. Krieg vermochte es nicht, die von dem PreisrichterausschuⓇpreisgekrönten Arbeiten zum Druck zu bringen. Nicht einmal die ver-heißenen Geldpreise wurden mehr ausgezahlt, das Unternehmen verliefim Sande der Politik. Krieg versuchte nunmehr radikal den Kurs zuwechseln. Er förderte nicht mehr allgemein Volkskunde, sondern nurmehr eine einzige Richtung. 1935 erschien bei ihm das programmatischeBuch von Karl Spieß Deutsche Volkskunde als Erschließerin deutscherKultur und dann in rascher Folge die weiteren Spätwerke von Spieß,merkwürdigerweise als Bände des Jahrbuches für historische Volks-kunde", wie späterhin auch die Bücher von Edmund Mudrak. Damithatte Krieg als Verleger der beiden führenden Wiener Mythologen einevordem ungeahnte Bedeutung auch für die österreichische Volkskundegewonnen. Freilich übersiedelte Krieg dann auch nach Wien, wo er dieLechnersche Buchhandlung am Graben erwarb. Er betreute noch dasvolkstümliche Märchenwerk von Spieß und Mudrak Deutsche MärchenDeutsche Welt", um sich dann von der Volkskunde zurückzuziehen.Nach dem Kriegsende verstand es Krieg, seine Buchhandlung wieder-aufzubauen, und, nach einigen Jahren, auch wieder als Verleger hervor-zutreten. Der Volkskunde war er aber gänzlich ferngerückt. Geradenur, daß er in der von ihm gegründeten Zeitschrift Antiquariat" deneinen oder anderen Aufsatz seiner früheren Autoren brachte. Ein Ver-hältnis zurneu aufblühenden österreichischen Volkskunde suchte er

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