Jahrgang 
58 (1955) / N.S. 9
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Die polnische Volkskunstforschung seit 1945

Ein Literaturbericht

Von Adolf Mais

Die Volkskunstforschung in Polen obliegt der Sektion zur Erfor-schung der Volkskunst des Staatlichen Kunst- Institutes( Sekcja BadaniaPlastyki Ludowej Państwowego Instytutu Sztuki), die im Jahre 1946als Staatliches Institut zur Erforschung der Volkskunst( PaństwowyInstytut Badania Sztuki Ludowej) begründet wurde und anfangs demMinisterium für Kultur und Kunst unmittelbar unterstellt war. DerRahmen der Forschungsaufgaben war von allem Anfang an sehr weitgesteckt, obwohl das Schwergewicht der intensiv und mit viel Aufwandbetriebenen Feldforschung auf die Erfassung aller noch vorhandenenDenkmäler der Volkskunst liegen mußte. Ohne auf Tätigkeits- undandere Berichte des Institutes eingehen zu wollen, sei im Folgenden nurauf die bereits publizierten Arbeiten eingegangen. Hier nur ein Hinweisauf den ersten programmatischen Artikel über Gründung, Organisationund Charakter des Staatlichen Institutes zur Erforschung der Volks-kunst( Powstanie, organizacja i charakter Państwowego InstytutuBadania Sztuki Ludowej, P. Szt. L. 1) 1/ 1-2, S. 60-61) und auf die wert-vollen..Instruktionen und Fragebogen für Volkskultur- Forscher( Instrukcje i kwestionariusze dla badaczy kultury ludowej, P. Szt. L..IV/ 1-6, S. 88-92). Über die polnische Volkskunstforschung überhauptmit besonderer Berücksichtigung der Zeit vor 1945 berichtet 1950 RomanReinfuß( Stan badań nad polska sztuka ludowa, P. Szt. L., IV/ 1-6.S. 3-13).

Die Zeitschrift des Institutes Polska Sztuka Ludowa" stellt sichnach dem Programm im ersten Heft im Jahre 1947 mehrfache Aufgaben.Einmal soll sie das Publikationsorgan der Institutsmitglieder sein, indem nicht nur die interne theoretische Institutsarbeit, sondern in ersterLinie die Ergebnisse der Feldforschung veröffentlicht werden sollen,um damit eine nur schwer zugängliche Archivierung dieser wertvollenMaterialien zu verhindern. Weiters soll sie aber auch die Verbindungzwischen den Spezialforschern und den Laiensammlern der Volkskunstherstellen. Und schließlich soll damit auch die Kenntnis der Volkskunstin die breiteren Schichten des Volkes und besonders dorthin, wo gegen-wärtig Werke der Kunst und Volkskunst geschaffen werden, also in dieSchulen, Werkstätten und Ateliers von Stadt und Land eindringen.

Jetzt steht diese Zeitschrift im 8. Jahrgang und sie hat in diesemZeitraum nicht weniger als 36 ein- und mehrfache Hefte in Din A 3herausgebracht, die sich schon rein äußerlich durch gutes Druckpapier,erstaunlich reichhaltige Bebilderung, z. T. auch durch Farbtafeln,auszeichnen.

Die Redaktionsgeschäfte werden von einem Ausschuß erledigt, für

1) P. Szt. L. Zeitschrift Polska Sztuka Ludowa".

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Durch das Fehlen der entsprechenden diakritischen Zeichen kannbedauerlicherweise das genaue Schriftbild der polnischen Wörter nichtrichtig wiedergegeben werden. Anm. d. Red.

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