Jahrgang 
58 (1955) / N.S. 9
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Heilig- Kreuz als Bergwerkspatrozinium

Von Ernst Schneider

In der Titelgebung von Bergwerksanlagen ist der sakrale Be-reich stark vertreten. An Hand älterer Quellen, die die Bergbaunameneinzelner Abbaugebiete annähernd vollständig bringen, läßt sich fest-stellen, daß dieser Anteil 30-60 Prozent ausmacht. Außerordentlichhäufig erscheinen Grubenbenennungen nach Heiligen. Zur Bedeutungder Bergwerkspatrozinien hat Georg Schreiber ¹) richtungweisende Aus-führungen gegeben.

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Auch die Kreuzes verehrung, die durch jahrhundertelange volks-fromme Übung tief im Volke verwurzelt ist und sich in zahlreichenHeilig- Kreuz- Kirchen,-Kapellen und-Wallfahrten abzeichnet, ist in denunterirdischen Raum gedrungen. Bergwerke werden dem hl. Kreuz ge-weiht, als besonderes Heilszeichen für die Bergwerke, als Abwehrkraftgegenüber den Gefahren, denen gerade der Bergmann bei seiner Arbeitausgesetzt ist 2).

Ferner ist zu beachten, daß die Bergleute an den Meßstiftungenstark beteiligt waren. Unter den spätmittelalterlichen Wochenmessennahm die Freitagsmesse de cruce eine bevorzugte Stellung ein. Einbemerkenswertes Beispiel für die Stiftung einer Freitagsmesse imZeichen der Kreuzesdevotion und der Verehrung der hl. Helena. zuderen Attributen das hl. Kreuz und die hl. Nägel gehören, liefert dieBergwerksordnung für die Herrschaften Rhäzüns und St. Jörgenbergim vorderen Rheintal von 1447/483). Darin heißt es:

,, Dem hl. Gotteskreuz und St. Helenen, der hl. Königin, zuLob und Ehre und auch zur Förderung unseres Glückes, verord-nen wir, daß eine jegliche Person, die in unserer Gesellschaft jetztoder noch in dieselbe kommen wird, alle Freitage zu einer Messeeinen Angster Zürcher Währung beitragen soll, auf daß St. Helena.die das hl. Kreuz unter der Erde gefunden hat, auch uns erwerbe.das zu finden was wir begehren, und daß dies geschehe nachGottes Willen und zu unserer Seelen Heil."

Diese Stelle verdeutlicht, wie das Attribut der hl. Helena ihr denZugang zum Bergwerk schuf, zeigt aber auch, daß durch die Verehrungder hl. Helena und durch die Benennung von Gruben nach ihr dicBergleute glauben, daß ihnen das Glück hold sei. Dieses Glückver-

¹) Georg Schreiber, Das Bergwerk in Recht, Liturgie, Sakral-kultur.( Zschr. d. Savigny- Stiftung f. Rechtsgeschichte, Bd. 70 1953. Kan.Abt. 39 S. 362-418.)

2) Georg Schreiber. Apostel und Evangelisten als Bergwerks-inhaber.( Rhein. Jahrbuch f. Volksk. Bd. 3, 1952, S. 145-168, bes. S. 148 f.)

3) Nach G. Schreiber, Bergwerk in Recht, Liturgie, Sakral-kultur. S. 410 f. Schreiber zitiert P. Plattner, Geschichte des Berg-baus der östlichen Schweiz. Chur 1878( war mir nicht zugänglich).

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