und Verbreitungsforschung entzieht. Was einerseits die Histo-riker nicht fassen können, weil es nicht„ in actis" aufscheint, unddaher nicht in mundo" sein dürfte. Was anderseits die Kultur-geographen weder auf ihre Fragebogen noch auf ihre Kartenbekommen, oder doch nur in großer Lückenhaftigkeit. Es ist dasKomplexe an unseren Phänomenen, das diese Sorge einer be-seelten Forschung wach erhält.
Auch wenn wir die aktenmäßige Geschichte der kleinen Wall-fahrt Maria Stip besitzen würden, hätten wir kaum ihren innerenWerdegang. Aber wenn wir die Beziehung der Gnadenstätte zuder Herrschaft Kostelez aufdecken, sind wir ihr doch wieder einStück näher. Wenn wir wissen, welche Untertanen hierher wall-fahrteten, und wohin sich die Bauern der nächsten Herrschaftwandten. ist auch wieder ein Stück Arbeit geleistet. Gewiß, dieKarte der Verbreitung der Kreuzopfer in den Wallfahrtsbrunnenist und bleibt lückenhaft. Aber ihre Punkte weisen doch aufeinige bestimmte Gebiete hin, und es liegt an uns, sie in ihrerEigenart auszudeuten. Die Kulturgeographie dieser Landschaftin Böhmen. Mähren. Steiermark und Kärnten weist uns daraufhin, daß wir es mit deutsch- slawischen Berührungszonen zu tunhaben. Das besagt bis zu einem gewissen Grad weiter, daß essich um Rückzugsgebiete aus einem älteren, vielleicht mittel-alterlich breiteren Haupterstreckungsgebiet handeln kann. DerHinweis auf das Kreuzstecken bei den mittelalterlichen Sühne-kreuzen wird hier wieder wertvoll. Die Betonung der antikenWasserorakel weist eine andere Seite des Brauches jener Gruppevon Erscheinungen zu, die antikes Gut in mittelalterlichem Ge-wande auftreten lassen. Es zeigen sich also die Fragen wie dieErgebnisse der Herkunftsforschung einerseits, der Verbreitungs-forschung anderseits stark verschränkt. Bei so starken innerenÜberkreuzungen dürfen wir keine einfachen Antworten aufpsychologische und soziologische Fragen erwarten. Die„ Be-ziehung zum Menschen" läßt sich bei Berücksichtigung diesesengen Geflechtes der geschichtlichen und geographischen Möglich-keiten nicht mehr mit einfachen Schlagworten dartun. Wir bleibenuns also bescheidenerweise bewußt, daß unsere exakten Ergeb-nisse, die wir monographisch und museal darstellen können, wohlnicht das ganze Phänomen erfassen. Sie geben den besten Nä-herungswert, der heute erreichbar erscheint. Es bleibt uns selbstdurchaus klar, daß diese ganze unendlich komplexe Erscheinungdes Glaubens an den Zusammenhang von Zeichen und Schicksal.wie er an solchen Stätten durch derartige Brauchhandlungen ver-meintlich abgelesen werden kann, daß dieses tief menschlichePhänomen sich dem letzten Zugriff entzieht. Aber unser Aufschluß
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