Jahrgang 
58 (1955) / N.S. 9
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diesen Gebieten ist das alles auch noch in Fluß. Hier können wiram ehesten konstatieren, daß sich unsere Volkskunde zur Zeitzwischen Wirtschaftsgeschichte und Kulturgeographie befindet 29).

Betrachtet man diese beiden Teildisziplinen der Geschichtewie der Geographie von unserem Standpunkt aus näher, so wirdman anerkennen müssen, daß es sich in vieler Hinsicht schon umTochterwissenschaften handelt. Wir werden von ihnen nicht ge-drückt und nicht beengt, sondern können uns auf sie stützen, ohnean Eigenbedeutung zu verlieren. Es ist da also mancher Gewinnzu verzeichnen. Zu diesen Vorteilen zählen wir, daß manchesbisher Schwankende gefestigt erscheint; daß unsere Bilder viel-fach deutlicher geworden sind. Das Fruchtbarmachen von Teil-fächern wie etwa der Territorialgeschichte bringt unsan be-stimmte Teilziele näher heran. Das kartographische Aufarbeitengerade durch diese Disziplinen schafft Unterlagen unserer volks-kundlichen Atlanten. Und selbst die Museen können diese Hilfs-mittel benützen, indem sie aus den erarbeiteten ForschungskartenSchaukarten herstellen, die den schaubaren Einzelbeleg in dengrößeren Zusammenhang rücken. Wir hätten nun nicht mehr nurdas dürre Zweigkreuzlein, das einstmals für die Vitrine Wall-fahrtsbrauch des Kreuzschwemmens gesammelt wurde, sonderndaneben auch die Karte mit der Verbreitung des Brauches undseiner Nebenformen.

V.

Gerade bei Einbeziehung dieser Möglichkeiten in der Gegen-wart wird man die Situation der Volkskunde zwischen Wirt-schaftsgeschichte und Kulturgeographie nicht falsch beurteilen.Gewiß, man wird sich fragen können, ob dies nun alles ist, ob alldas damit auch bewältigt wird, was nach einer immer wieder-kehrenden Frage gerade der deutschen Volkskunde als daseigentlich Volkskundliche" angesprochen wird 30). Es handelt sichdabei um die Beziehung des Menschen zum Ding, um die Stellungdes Dinges, das heißt also jeder Überlieferung zum Menschen alsÜberlieferungsträger. Es handelt sich um die Frage nach dem,was sich gewissermaßen diesem handfesten Zugriff der Herkunfts-

29) Fritz Krüger. Geographie des traditions populaires en France.Mendoza 1950( Textband und Abbildungsmappe):

Die wichtigste Literatur zusammengestellt:

Leopold Schmidt, Katalog der Ausstellung Bauernwerk der AltenWelt. Europa Asien- Afrika.( Veröffentlichungen zum Archivfür Völkerkunde, Bd. 2.) Wien 1954.

30) Mathilde Hain. Sitte und Brauch in volkskundlicher Forschung( Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistes-geschichte, Bd. 20, Halle/ Saale 1942, Referatenheft).

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