Jahrgang 
58 (1955) / N.S. 9
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gewinnen, daß es möglich sein würde, sich im weiteren auf großealte Disziplinen als Hilfswissenschaften zu stützen. Es wurdenneue Möglichkeiten methodischer Art sichtbar. Quellenmäßigkonnte man für die Herkunftsfrage an die Technik der Archive,an die Ausbreitung der Zeugnisse anschließen, und tabellarischeAuswertungen bereitstellen. Für die Verbreitungsfrage kamen alsneue Quellen die Befragungen in Betracht, für die in verschie-denen aufklärerischen Perioden schon Vorbilder geschaffen wor-den waren, und die Wilhelm Mannhardt persönlich wieder er-weckt hatte). Wenn man sie systematisch anwandte, konnteman bald zum Abstecken von Geltungsbereichen der Überliefe-rungen gelangen, wie man sie bisher nicht gekannt hatte. Es kamdie Übertragung des großen Hilfsmittels der kartographischenAuswertung der Sammlungen aller Art.

Herkunfts- und Verbreitungsforschung gestatteten jedochauch verschiedene Möglichkeiten der Vertiefung. Von der ge-schichtlichen Seite her konnte man um die Begründung des ört-lichen Vorkommens fragen. Die Besiedlungsverhältnisse drängtensich zunächst bedeutend auf, dann die Besitz- und Herrschafts-verhältnisse. Die Territorialgeschichte begann ihr Wort mitzu-sprechen, und in Verbindung damit häufig auch die Kirchen-geschichte 28). Die wirtschaftsgeschichtlichen Grundlagen konntenauf die Dauer nicht übersehen werden. Anderseits konnte manauch die Begründung der räumlichen Ausbreitung nunmehranders als vorher erfassen. Es ergab sich das Bild von Räumen,von Landschaften. Hinter den Siedlungsräumen traten Kultur-landschaften hervor, Hauslandschaften, Volksliedlandschaften. DieKulturgeographie zwang zu neuem Lernen.

Neue Gebiete drängten zur Intensivierung gerade dieserBlickrichtung. Von der Bauernhausforschung ging die Geräte-forschung aus. Inventare und Protokolle ergaben historische Zeug-nisse für die Gerätegeschichte, Fragebogen lieferten Belege fürdie Geräteverbreitung. Die Wirtschaftsgeschichte betonte die Gel-tung der auf diese Weise festgestellten Geräte und ihrer Wirk-samkeit für die Feststellung des wechselnden Ertrages. DieKulturgeographie ordnete diese Ergebnisse in engeren und wei-teren Räumen zu oft schon sehr großen Bildern. Gerade auf

27) Richard Beitl, Wilhelm Mannhardt und der Atlas der deut-schen Volkskunde( Zeitschrift für Volkskunde, N. F. Bd. 4, Berlin 1933).28) Alphons Dopsch, Wirtschaftliche und soziale Grundlagen dereuropäischen Kulturentwicklung in der Zeit von Caesar bis auf Karld. Gr. 2 Bde., 2. Aufl., Wien 1923 f.;

Hermann Aubin, Theodor Frings, Josef Müller, Kultur-strömungen und Kulturprovinzen in den Rheinlanden. Bonn 1926.

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