sie der Natur entgegen beim Wasserorakel an der Oberflächebleiben, die Unschuldige aber konnte sich dadurch erweisen, daßsie versank, und zwar das, weil es eben anders als in der ge-rechten Welt zuging.
Das sind nun schon genug Wege auf diesem weitläufigenFeld des Glaubens und Brauches, die zeigen, wie weit man gleichbeim erstbesten Beispiel ausschreiten muß, um auch nur halbwegszu einem Verständnis der Eigenart der betreffenden Erscheinungzu gelangen. Da wird es Zeit, davon zu sprechen, wie sich dieseEigenart, die Eigenproblematik der Gegenstände unseres Faches,in der Theorie ausgedrückt hat.
I.
Wir definieren heute die Volkskunde als eine Grundwissen-schaft im Rahmen der Geisteswissenschaft, die als eine Art vonSchwesterdisziplin neben der Geschichte steht, und sich von dieserdurch ihre eigene Betrachtungsweise unterscheidet. Volkskundeist für uns die Wissenschaft vom Leben in überlieferten Ord-nungen 16). Die Überlieferungen sind uns als Gegenstand derVolkskunde seit jeher eine Selbstverständlichkeit. Daß sie jeweilskeine Einzelläufer sind, sondern sich in Gruppen zusammen-schließen, in Ordnungen verstehen lassen, ist dabei auch nichtneu. Wesentlich scheint vielleicht, daß wir eine gewisse Betonungdarauf legen, daß nicht nur die Überlieferungen und ihre Ord-nungen, sondern das Leben in diesen überlieferten OrdnungenGegenstand der Volkskunde ist. Um auf unser Beispiel zurück-zukommen: Das Schwimmenlassen der Kreuzlein ist Überliefe-rung, und sie steht mit dem Kreuzstecken und den Wasserorakelnzusammen in einer gewissen Ordnung. In dieser aber leben dieWallfahrer von Maria Stip, und in einer ähnlichen haben schondie Pilger von Aphaka gelebt, und dieses Verhältnis ist also unserHauptanliegen. Das läßt sich nicht so ohne weiteres in einerkurzen Definition aussagen, und je mehr man sie einengt undpreßt, desto leichter wird sie mißverstanden. Sie ist aber zu-sammen mit drei Fundamentalsätzen ausgesprochen worden, diedas von ihr Gemeinte deutlicher erläutern können 17). Diese
16) Leopold Schmidt, Volkskunde als Geisteswissenschaft. Ge-sammelte Abhandlungen zur geistigen Volkskunde( Handbuch derGeisteswissenschaften, Bd. 2). Wien 1948, S. 13 ff.;
derselbe, Geschichte der österreichischen Volkskunde( Buch-reihe der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde, Bd. II). Wien1951, S. 10 f.
17) Schmidt, wie Anmerkung 16, Volkskunde als Geisteswissen-schaft, S. 17 ff.
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