Jahrgang 
57 (1954) / N.S. 8
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beträchtlichen Teil aus Sektierern zusammensetzt, die um der Religions-freiheit willen über den Atlantik gegangen sind. Wie z. B. drüben heutenoch Habaner- Siedlungen bestehen, die ihre Lebensformen wesentlichstrenger bewahrt haben, als die in ihrer slowakischen Heimat zurück-gebliebenen 43), so auch andere. Eine solche Gruppe mit ausgeprägterEigenart sind die Shaker", eine 1774 von der Engländerin Ann Lee ge-gründete Sekte, die ihr Leben auf Kommunalwirtschaft und strengesGebetsleben nach frühchristlichen Glaubensformen aufgebaut hat. Hierwäre zweifellos ein Ansatzpunkt für eine tiefergehende Erforschung derSachkultur, da jedes Möbelstück, jedes Arbeitsgerät der Shaker in seinerschmucklosen, aber gediegenen Einfachheit den Geist seiner Benützerspiegelt+1).

Am meisten spricht uns naturgegebenermaßen die Volkskunde desdeutschen Elements in den Vereinigten Staaten an, überhaupt dort, wodieses noch in geschlossenen Gruppen lebt, wie dies z. B. in Pennsyl-vanien der Fall ist. Hier existiert noch unbedingt das Bewußtsein derHerkunft, was sich wohl am deutlichsten in dem merkwürdigen Dialektmanifestiert. der mit Dutch", also Holländisch, wie die Amerikanergemeinhin sagen, wenig zu tun hat, vielmehr, wie erst kürzlich vondeutscher Seite festgestellt wurde, zu den pfälzischen Mundarten ge-hört 45). Hier verspricht die volkskundliche Betrachtung also beinahe dieErgiebigkeit der Sprachinselforschung. Tatsächlich zeigt der ältere Haus-rat eine blühende Volkskunst. Einzelne Stücke ließen sich ohne weiteresgegen Objekte unserer Sammlungen vertauschen: etwa die bemaltenTrühchen mit den vertrauten Blumenornamenten in weißen Kartuschenauf blauem Grund 16), Holzkästchen mit Kerbschnittrosetten 47), Glas-fläschchen mit Emailmalerei 48), die unseren oberösterreichischen Schnaps-fläschchen auch den Motiven nach aufs Haar gleichen, Majolika mitDoppeladler und deutschen Spruchbändern( Aus der Erd mit Verstandmacht der Hefner allerhand" oder Bin geritten über Berg und Tal,hab untreu funden überall") 19), weiters Stickereien, Kreuzstich aufLeinen mit gegenständigen Vögeln am Dreisproẞ 50), Handwebe, Stoff-druck und ähnliches mehr. Viele Stücke sind datiert und mit Namenversehen, sodaß man allein daraus Familiengeschichte der Auswan-derer betreiben könnte. Hier steht uns tatsächlich die deutsche Volks-kultur des 18. Jahrhunderts vor Augen. Dies kommt auch in derlokalen Forschung zum Ausdruck. Die German- American FolkloreSociety" nennt deutsche Standardwerke wie Bolte- Polivka, John Meier,

43) Vgl. Anton Schultes, Die Nachbarschaft der Deutschen und Sla-wen an der March( Veröffentlichungen des Österreichischen Museumsfür Volkskunde, Bd. IV), Wien 1954, S. 111.

44) Vgl. Christensen, Index S. 15 ff. Dazu etwa auch: Edward D.Andrews, The Gift to Be Simple: Songs, Dances and Rituals of theAmerican Shakers. New York 1940.

45) Ernst Christmann, Das Pennsylvaniadeutsch als pfälzische Mund-art.( Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde, Jg. I, 1951, S. 47 ff.)46) Christensen, Index S. 5, Abb. 8 und S. 12, Abb. 22.

47) Ebda. S. 123, Abb. 239.

48) Ebda. S. 99, Abb. 201.

49) Ebda. S. XVIII, Abb. 1, S. 3, Abb. 4 und S. 4, Abb. 6( dat. 1805).50) Ebda. S. 10, Abb. 16. Bemerkenswert auch der Taufbrief auf dervorhergehenden Seite( Abb. 14) mit deutschem Text in Herz- undBlumenumrahmung.

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