Volkskunde in den Vereinigten Staaten
im europäischen Blickfeld
Versuch einer Literaturübersicht
Von Elfriede Rath
als
Dieser kurze Bericht möge das sei nochmals betontein vorläufiger Versuch gewertet werden. Eine ernsthafte Auseinander-setzung mit dieser weitgespannten Problematik müßte notwendiger-weise mehrere Bände füllen, wobei aber zugleich zu bezweifeln wäre,ob die Probleme auch schon zu einem größeren Vorwurf herangereiftsind. Die erste Veröffentlichung eines amerikanischen Autors in unsererZeitschrift mag immerhin Anlaß geben, das Thema anzuschneiden undzunächst die Angelpunkte der Beziehungen zu finden, die für die zu-künftige volkskundliche Arbeit diesseits und jenseits des Atlantik vonungemessener Wichtigkeit werden könnten.
den
Die Notwendigkeit, uns unmittelbar und eindringlicher mit dieserMaterie zu befassen, ergab sich anfangs des Sommers 1953, als deramerikanische Information- Service eine schwere Überseekiste mit etwa180 Aquarellen von Gegenständen amerikanischer Volks- und Hand-werkskunst in das Österreichische Museum für Volkskunde in Wienschickte, mit dem Vorschlag, dieses Material in unseren Räumen aus-zustellen. Diese qualitativ hervorragenden Bilder wurden inDreißigerjahren innerhalb einer Aktion für brotlose Künstler herge-stellt. Die Maler waren beauftragt, alten Hausrat, Möbel, Kleidung,Haus- und Geschäftszeichen, Textilien, kurz alles, was sie an„ anti-quities" valkstümlicher Herkunft in Familien- oder Museumbesitz auf-treiben konnten, in möglichst naturgetreuen Darstellungen wieder-zugeben. Eine Auswahl der so entstandenen Aquarelle wurde in demgroßen Bildwerk„ The Index of American Design" von Erwin Chri-stensen ¹) herausgegeben, ein prachtvoll ausgestattetes Buch, dasbis heute die wichtigste Bildquelle für die Volkskunst in den Ver-einigten Staaten darstellt. Die Originale wurden von der National ArtGallery zu Ausstellungszwecken zur Verfügung gestellt und also auchnach Europa auf Reisen geschickt. Unser Bestreben ging nun dahin,den Bildern jeweils Gegenstände der europäischen Volkskultur gegen-überzustellen, um so dem Besucher zu zeigen, in welchen besiedlungs-geschichtlichen, geistigen und kulturellen Zusammenhängen er die dar-gestellten Dinge verstehen könne 2).
1) Introduction by Holger Cahill.( Hg. von der) National Galleryof Art, New York 1950. Eine kleine Auswahl bietet Christensen auch indem Büchlein„ Popular Art in the United States" in der Serie der Pen-guin Books, London 1948. Vgl. darüber auch Robert Wildhaber in Schweiz.Archiv f. Volkskunde Bd. 48, 1952, S. 112 ff. mit weiteren Literatur-nachweisen.
2) Katalog: Nordamerikanische Volkskunst. Bilder aus dem Indexof American Design. Zusammengestellt von Elfriede Rath mit einemVorwort von Leopold Schmidt( hektogr.).
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