Es ließe sich wohl zeigen, daß auch die Kindersprache den.geltenden Lautgesetzen folgt: So verschiebt sie z. B. in Wienschlendern zu schlenzen und Dridl zu Dridschn( vgl. oben Dutter undZezn); die Burschensprache verschiebt grundeln( im Freien schlafen)zu grunzen und dgl. mehr.
Die sachlichen Übereinstimmungen gehen wie bei vielenKinderliedern weithin über Berg und Tal. Das selten gewordene„ Büllhäfen", lautlich dem Flurnamen Piherndl(„ Büllhorn“)entsprechend, ist in der Burschensprache als„ Filz klavier"noch ziemlich bekannt. In die Mitte einer aufgeschnittenenSchweinsblase wird der Kiel einer Gänsefeder eingeschnürt, dieBlase über einen Topf gespannt und der Kiel mit nassen Fingerngerieben. Diese altertümliche Musik begleitete das Sammeln derGaben im Heischeumzug. Verwandte Instrumente wie der Rummel-topf und der Knurrpott sind bis Köln, ja bis nach Frankreich hineinbekannt.
Wer das Rätsel um das„ Lepoidt" lösen will, findet z. B. inBerlin genaueste sachliche Übereinstimmung: Für„ Eisen ist Lepoidt"oder„ Hockerl ist Lepoidt" steht dort Eisenzeck und Kauerzeck, lautnahsind nach Kretschmers Wortgeographie u. a. Botte in Schwa-ben und Verbiete in Schwerte. Es ist ein für den Verfolger ver-botener Ort wie voralters die heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischen Tempel, später dieKirchen; auch die Freihäuser gehören in die Reihe; es ge-nügte, Eisenteile, etwa die Klinken, zu berühren. Man denkeetwa an die Freihäuser in England, wo die bankerotten Schuldnervor der Gefangennahme sicher waren; zu Freiberg in Sachsenflüchteten die Kinder, die etwa mit Peitschen gelärmt hatten, vorden Wächtern in die Freihäuser. Uraltes Erleben scheint im Kin-derspiel lebendig: Der verkaufte Vogel wird aufgefordert, wiederins Freihaus zurückzukommen.
Zum Wiener Kindervergnügen des Hutschens gehört zum Teilmit Metathesis, aber auch sonst lautnah, schriftsprachlich schaukeln,elsässisch butzen und gautschen, schwäbisch gautschen, bairisch schocken,rheinfränkisch glunkein, wienerisch glankeln heißt soviel wie baumeln.
Die Wiener Spielsprache hat mehrere Dutzend mhd. Formenerhalten, die, im Flegelalter( seltener bei den Backfischen) ge-mieden, erst bei den Großeltern wieder ganz lebendig werden.Vader weist durch synonymes Fangerl auf mhd. vahen;„ ein Berasicht"( eine Rauferei ist angesagt) gehört zu mhd. bern, schlagenauch die Gsturi bedeutet Rauferei, vgl. storie( Gedränge, Auflauf).Die kleinen Raufbolde entnehmen der Burschensprache die Im-perative:„ Niat eahm" und" flaach eahm ani", ahd. pihniotan, ano.bniotan, stoßen, auf Eisen schlagen, mit Bedeutungswandel hd. wie
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