Gl. f. 99 b: Paschen, ein Nussspiel der öst. Knaben. Siemachen eine Grube und werfen eine Handvoll Nüsse nach der-selben, wetten aber vorher, ob eine gleiche oder ungleiche Zahlhineinfallen wird. Dieses Wort kommt auch in dem Würfelspieleerwachsener Leute auf dem sogenannten Damenbrette vor: dennhier heisst dieses ein Pasch, wenn auf beiden Würfeln gleichviele Augen oben zu stehen kommen 18).
Gl. f. 100 b: Schusterspiel, Das, oder das Schuhsuchen,ein Spiel der mährischen Schüler. Die Spielenden setzen sich ineinen Kreis herum, breiten die Mäntel über ihre Knie so, dassalles gedeckt ist und sie einen Schuh unter den Knien einanderdurchgeben können. Der erste, der anfangen muss, den Schuh zusuchen, wird durch das Los ausgeforschet, wie in Munkezenberichtet wird. Wenn die Gesellschaft einen trillen will, so richtensie die Reime so ein, dass das letzte Wort denselben trifft, densie haben wollen, wie die Schüler ihren Vorgesetzten, dessenSchläge sie ihm durch dieses Spiel erstatten. Er geht mit unver-bundenen Augen im Kreise herum und wenn er auf einen zu-greift, bei dem er glaubt, den Schuh anzutreffen, so schlägt ihnein anderer mit dem Schuh auf den Rücken und gibt denselbenunter den Knien gleich wieder weiter. So wird mancher eine halbeStunde gebläuet, bis er den Schuh bekommt, sodann muss der-selbe suchen 19).
Gl. f. 101 a: Stockschlagen, Das, in Oesterr. und inFranken, wie zu Würzburg. Einer sitzt, das ist der Richter.Ein anderer legt den Kopf in den Schoss des Richters und dieserhält ihm die Augen zu. Von den Umstehenden schlägt einer mitder flachen Hand auf die Hosen des Aushaltenden, sodann mussderselbe erraten, wer ihn geschlagen hat. Frisch nennet diesesdas Stockspielen in Stock. Die Stockmutter spie-len sagt man zu Anspach, im Hohenlohischen; der Richter heisstdie Stockmutter. Die Unschuld, das Unschuld-spiel in Schlesien. Die Franzosen kennen auch dieses Spiel,allein sie führen sich züchtiger dabei auf. Einer legt seine Handauf den Rücken, auf welche einer von den Herumstehendenschlägt. Der den Strich ausgehalten, muss erraten, wer es getanhat. Dieses Spiel nennen sie le frappe- main; die Botsknechte lamain chaude. Die Teutschen sollten das ihrige le derriere chaud
18) Verna leken, a. a. O. S. 27.
19) Böhme, S. 663( Nr. 604). Das Spiel kommt auch in der Schweizals Schüeli- Schläuffe" vor, ebenso in England, wo es der berühmteTh. Rowlandson in einem sehr galanten Stich festgehalten hat( sieheG. Gugitz, Erotische Gesellschaftsspiele, in: Bilderlexikon d. Kultur-geschichte, 1928, S. 414).
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