Jahrgang 
57 (1954) / N.S. 8
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Eine unbekannte Quelle zum österreichischenKinderspiel aus dem 18. Jahrhundert

Von Gustav Gugitz

Das Kinderspiel in Österreich hat noch kein grundlegendesWerk erfahren. Wenn auch darüber, namentlich über den über-lebenden Brauch der Spiele, manche Zeugnisse ¹) verdienstlich auf-gesammelt sind, obschon die volkskundliche Forschung auf diesemGebiet eine regere sein könnte, so ermangelt es doch sehr an auf-gezeigten Quellen aus älterer Zeit, die uns auch die Rückschau inhistorischer Hinsicht bieten würde und Werkmaterial, sei es fürAbgekommenes, sei es für die Erforschung und Vergleichung derlebenden Überlieferung, der Entwicklung einzelner Spiele, Varia-tionen und einstweilen endgiltigen Gestaltung aufschlußreichüberlieferten. Solche historische Quellen scheinen für Österreichleider nur wenig zu Tage zu treten, und wenn schon, so nurtropfenweise in einzelnen Miszellen, daher es wohl willkommensein mag, eine solche, die ergiebiger fließt, aus ihrer Verborgen-heit, wo sie bis jetzt nutzlos dahinrann, dem Gesichtsfeld des For-schers zuzuführen. Diese Quelle führt sicher noch in die früheerste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück und zeigt uns in ver-hältnismäßig reichem Maße und aus unbedenklicher eigener An-schauung und eindringlichem Miterlebnis heraus, zugleich ineinem terminus a quo, wie es die österreichische Kinderwelt mitihren Spielen gehalten und welche in ihr damals vorherrschendund beliebt waren.

Diese Aufzeichnungen sind an einer Stelle untergebracht, ander sie kaum jemand vermuten würde, in den Kollektaneenheftendes bedeutenden österreichischen, aus der Steiermark gebürtigenPhilologen und Naturforschers Joh. Sigm. Valentin Popo-witsch( 1705-1774), der längere Zeit in Kremsmünster, amTheresianum und seit 1753 an der Wiener Universität lehrte undzu Perchtoldsdorf ein einsames und sonderbares Gelehrtenlebenbeschloß. Leider ist ein großer Teil seiner Aufzeichnungen zur

1) Es sei hier nur auf die vorbildliche Arbeit von Karl Haiding,Der Stand der Kinderspielforschung in Wien und Niederdonau( WienerZs. f. Volkskunde XLV, 1940, S. 25 ff.) mit ausführlicher Bibliographieaufmerksam gemacht.

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