Jahrgang 
56 (1953) / N.S. 7
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Mag man nun von den Zeitungsberichten manches als übertriebenabziehen und auch den Quellengehalt dieser Berichte manchmal be-streiten; mag man auch annehmen, daß der Einfluß der Sagensamm-lungen auf die Schulkinder nicht direkt hexenglaubenfördernd sei, sobleibt doch noch immer genug Erwägenswertes in diesem Buch und ander ganzen Sammel- und Aufklärungstätigkeit Kruses. Die Grund-tendenz, eine ehrlich aufklärerische im besten Sinn. richtet sich so sehrgegen die vielen Schwindler und falschen Propheten, wie sie geradenach dem zweiten Weltkrieg in so großer Zahl auftraten, daß man sievolkserzieherisch nur bejahen können wird. Für die Wissenschaft fälltdabei ab, daß ihr eine umfangreiche Aufzeichnungstätigkeit abgenom-men wird, zu der sich meines Wissens noch kein einziges Volkskunde-institut entschließen konnte. Wir sind auf unseren Materialschätzen einbißchen träge und vor allem gegenwartsblind geworden. Auch in diesemSinn ist Kruses Arbeit aufrüttelnd. Es wäre von großer Wichtigkeit, diegleiche Sammlung im vergleichenden Sinn für andere europäischeLänder anzulegen. Für Unteritalien hat ja der berühmte Roman vonCarlo Levi, Christus kam nur bis Eboli gezeigt, in welchem Ausmaßder bäuerliche Hexenglaube dort lebendig ist. Die neoveristischen FilmeItaliens, z. B.., Der Wolf von Sila". haben das Aufgreifen derartigerMotive durch die modernste Kunst ebenso gezeigt wie die Volksleben-digkeit dieser Dinge. Vielleicht könnten wir die Fehler, die uns Krusevorwirft, dadurch gutmachen, daß wir wenigstens auf diesem wichtigenGebiet möglichst bald eine echte Beziehung zur Gegenwart anstreben.Leopold Schmidt.

Günther Roeder, Volksglaube im Pharaonenreich. 275 Seiten,1 Farbtafel, 16 einfarbige Tafeln, 68 Textbilder und über 500 Hiero-glyphen. Stuttgart 1952, Verlag W. Spemann. DM 17,80.

Das in der schönen Sammlung Völkerglaube erschienene Buchdes bedeutenden Ägyptologen ist eine äußerst nützliche Einführung indas wichtige Gebiet, gerade für den Nicht- Ägyptologen. Es werden dieEntstehung der religiösen Vorstellungen im ägyptischen Volk, die geo-graphischen Grundlagen dafür, die Gottheiten und ihre Mythen, dieToten und ihr Jenseits, die Frömmigkeit im täglichen Leben und schließ-lich die Wirkung des ägyptischen Volksglaubens auf das Ausland, biszur Auseinandersetzung mit dem Christentum. knapp aber gut orien-tierend besprochen. Für die Kenntnis des Zauber- und AmulettwesensEuropas wesentlich für alle Vergleichsarbeiten anregend.

Leopold Schmidt.

Das Volkslied in Altbayern und seine Sänger. Ein Geburtstagsbuch fürden Kiem Pauli. Herausgegeben von Annette Thoma.München 1952. 8%, 171 S.

Das Sammelwerk erschien zum 70. Geburtstag von Kiem Pauli, demverdienten Sammler und Pfleger der bayrischen Volkslieder. Die Mehr-zahl der Beiträger stellt sich mit Erinnerungen ein, z. B. Geramb,Begegnungen mit K. P., Tobias Reiser. Wie wir zueinander fanden.G. Lawatsch äußert sich Zu den Beziehungen zwischen bayrischemund österreichischem Volkslied", R. Zoder trägt eine kleine StudieDer Schuhplattler" bei. Max Böhm schreibt über die Entstehung vonVolksliedern an der Hand eines lokalgeschichtlichen Liedes. Das LiedWir sind die tapfern Bayern" wird nach der Melodie des KärntnerLiedermarsches von Seifert gesungen, die überhaupt häufig im öster.

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