Jahrgang 
56 (1953) / N.S. 7
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hundert an allmählich erschließen konnten. Wem wäre der Glau-ben an den Hehmann seinem Sinn und Charakter nach auch eheradäquat, als eben diesen Rodungsleuten, die täglichund vor

allem nächtlicherweile- den Drohungen des Urwaldes aus-gesetzt waren? Sie müssen sich nicht selten als Eindringlinge indiesem undurchdringlichen Dickicht gefühlt haben; für sie wärees durchaus naheliegend, ihre schreckhaften Erlebnisse mit einem.mythischen Wesen zu verbinden, das als eigentlicher Herr undHüter des Waldes zu achten und zu fürchten war.

Hier liegt also die erste Möglichkeit der Datierung der Sage:Jene Kolonisationsperiode im Oberpfälzisch- Egerländischen, alsoim 8. und 9. Jahrhundert. Zweihundert Jahre später muß dieSage bereits voll entwickelt gewesen sein, denn oberpfälzischeSiedler tragen sie in die Sprachinseln um Iglau und Deutsch- Brod,wo sie sich, wie die Elemente der Mundart, bis ins 19. und20. Jahrhundert unverfälscht erhalten hat. Der Übergang insTschechische scheint mit dieser Übertragung Hand in Hand zugehen, teilweise wohl auch auf spätere Verbreitung zurückzufüh-ren zu sein. Der gleiche Vorgang dürfte sich im Hochmittelalterim niederösterreichischen Waldviertel wiederholt haben. Die Lo-katoren, die, wie wir wissen, zum Teil oberpfälzischen Herrschaf-ten unterstanden, brachten Leute ins Land, die hier neue Ro-dungsarbeit und damit auch die gleiche Erlebniswelt vorfandenwie vorher am anderen Ende des großen Nordwaldes. Diesenmittelalterlichen Waldbauern wird also die Sage vom Hehmannhier wie dort zuzuschreiben sein.

Auf Grund dieser Erwägungen lassen sich nun die Verbrei-tungsfelder unserer Karte in Beziehung zueinander setzen, läßtsich aus dem grundlegenden Punktenetz ein dynamisches Bildvon Entwicklung und Wanderwegen der Hehmann- Sage ableiten.( Siehe Karte 2.) Dabei scheinen sich drei zeitlich aufeinanderfol-gende Stufen abzuzeichnen:

1. die Bewegungen aus dem Bayrisch- Fränkischen in die öst-lichen Waldgebiete der späteren Oberpfalz und des Eger-landes, im Zuge derer die Sage wahrscheinlich entstandenist.( Punktierte Linie.)

2. die Übertragung der Sage im Verlauf der hochmittelalter-lichen Ost-, bzw. Südost- Kolonisation.( UngebrocheneLinien.)

3. die spätere Wanderung der Sage zu den Streupunktendurch Verkehr und Abwanderung von Bewohnern aus denKerngebieten.( Strichlierte Linien.)

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