Material spricht gegen derartige Zusammenstellungen. Ich habe diesangesichts der Kopf- oder Ferse- aufschneidenden Lucia unter denBerchtengestalten des Burgenlandes“( Burgenländische Heimatblätter,Bd. 23, 1951, S. 129 ff.) ausführlicher erörtert. Es geht heute um dieErörterung der mythischen Grundlagen derartigen Glaubens- undBrauchzüge, nicht mehr um mehr oder minder willkürliche Versuche,alles und jedes aus der ungreifbaren Wurzel Männerbund- Initiationzu erfassen: denn diese angebliche Wurzel erwächst ja ihrerseits ausdem Boden des Mythos. Der Primat des Ritus hat sich nirgends erwei-sen lassen, und wird es bei einem Zug wie dem der Gastrotomie amwenigsten können. So erscheint mir an Hanikas Arbeit abgesehen vondem sorgfältig zusammengestellten Material nur die eine Einstellungwichtig, die auf das möglicherweise sehr hohe Alter derartiger Vor-stellungen hinzielt: In der Suche nach den Altschichten vor den der-zeitigen Sprachvölkern werden sich Mythologen und Ritualisten ver-stehen können. Ob es gleich die Steinzeit sein muß, wie Hanika, ver-führt von seinen ethnographischen Parallelen her meint, mag ja einst-weilen noch dahingestellt bleiben.Leopold Schmidt.
Walter von Stokar, Die Urgeschichte des Hausbrotes. Ein Beitragzur Entwicklungsgeschichte der Nahrung. VII+ 172 Seiten, mit 23 Ab-bildungen im Text. Leipzig 1951, Johann Ambrosius Barth. DM 13,20.
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Eine vorzügliche prähistorische Arbeit, die, in ständiger Ausein-andersetzung mit den maßgebenden Arbeiten von A. Maurizio, die Ge-schichte des Brotes neu darstellt. Zunächst wird die Geschichte der Mehl-pflanzen Weizen, Gerste, Hirse, Hafer, Roggen, Hülsenfrüchte, Lein.Eichel und anderer Sammelpflanzen_- dargetan, dann der Prozeß derSpeisebereitung historisch verfolgt. Ein besonders für den Nicht- Natur-wissenschafter wichtiges Kapitel Physiologisches und Chemisches“ leitetzu den Abschnitten über Mühle, Brei, Fladen, Gärung des Brotes, dasBacken und endlich das Brot über. Stokar kann sich überall auf die vonihm angebahnte mikroskopisch- chemische Analyse vorgeschichtlicherSpeisereste stützen. Die wichtigen Beiträge der Österreicher Fritz Neto-litzky und Elise Hofmann werden gebührend hervorgehoben. Nebenden Bodenfunden zieht Stokar aber erstmalig die Zeugnisse der römi-schen und griechischen Schriftsteller über die Volksnahrung ihrer Zeitenund Landschaften heran, sodaß sich auch ein wichtiger Beitrag zurSpeisenvolkskunde der Antike ergibt. Das Buch ist also von den ver-schiedensten Gesichtspunkten her für jede weitere Beschäftigung mitder Volksnahrung unentbehrlich.Leopold Schmidt.
Emil Augst. Das deutsche Möbel. Grundzüge seiner stilgeschicht-lichen Entwicklung und zeitgemäßen Gestaltung. 2. Aufl. 224 Seitenmit 500 Abb., davon 85 auf 71 Kunstdrucktafeln. Augsburg 1950, HansRösler Verlag. DM 17,50.
Das Buch des bekannten Möbelfachmannes gibt nicht nur eine um-fassende, in Stilepochen gegliederte Geschichte des Wohnmöbels inDeutschland, sondern vor allem ausführliche Darlegungen über dieReformbewegungen der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. Die Par-allelen zwischen Zeitströmungen und äußerem Gesicht des Möbels wer-den dabei sehr deutlich. Die Verarmung des deutschen Möbels durchbewußte Schlichtheitstendenzen in der jüngsten Vergangenheit sind beiAugst durchaus positiv gewertet. Vom Standpunkt der volkskundlichenBeobachtung des gestaltenden und aufnehmenden Menschen wird man in
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