Jahrgang 
55 (1952) / N.S. 6
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nanz seines Bischofs Ragnenund beruft. Ragnemund, angeblichder achte Nachfolger des hl. Faro( gest. 672) auf dem Bischofsstuhlvon Meaux, könnte demnach erst im 9. Jhdt. gelebt haben"). DieDiskrepanz der beiden Berichte erklärt sich vielleicht aus demmangelnden Verständnis des Jonas für die Verhältnisse jenseitsder Alpen, in den Landen, die ihm, dem Italiener, als der Inbegriffdes Unwirtlichen galten, während der andere Berichterstattersicher ein Landeskind war und trotz des zeitlichen Abstandeswahrscheinlich gut Bescheid wußte. Dabei müßte allerdings eineetwaig herabsetzende Anwendung des Wortes faunus in Betrachtgezogen werden. Denn ungeachtet eines bei dem rasch verromani-sierenden Völkchen fortgeschrittenen Verfalles des alten Glau-bens berührt der Kult einer so untergeordneten Gottheit als ein-ziger derart merkwürdig, daß sich dahinter sehr wohl etwas ganzanderes als ein bloßer Waldschrat verbergen könnte. An sichunmöglich wäre er ja nicht. Dies um so mehr, als der erwähnteAusdruck noch im 10. Jhdt. für Waldgötter der Friesen gebrauchtwurde 14), und es kaum zwei Jahrhunderte vor unserer Geschichte,noch dazu im keltisch- illyrischen Raum, in Kärnten, sogar einenTempel eines ähnlichen Wesens, des genius cucullatus, gab 15).Von letzterem, wahrscheinlich einer keltischen Heilgottheit nie-derer Ordnung, die schon mehr als ein halbes Jahrtausend früherdie Spätetrusker von den cisalpinen Galliern entlehnt hatten, dieim Frühmittelalter mehrfach in Predigten verboten wurde 16)und noch auf dem sogenannten Sunnenburger Schnitzaltar derSchule Michael Pachers als abzuschwörender Götze erscheint 17).wurden in der Provence mehrere Idole und bei Lyon eine spät-keltische Silbermünze gefunden. Auf letzterer ist dieser geniusneben einer Gestalt dargestellt, in der jedem unbenommen blei-ben soll, wegen ihres Aussehens einen Wilden Mann Glossar ::: zum Glossareintrag  Mann statt desobligaten Herkules zu erblicken, obwohl sie wahrscheinlich, weil

13) J. Stadler, a. a. O. II 161.

14) In der Legende des hl. Bonifatius von Radbodo, Bischof vonUtrecht 899-916: faunos et satyros, quos nomulli paganorum silvestresdoos appelant.( Monumenta Germaniae Historica Scriptores rerum

Germanicorum ed. W. Levison 68.)

15) Rudolf Egger, Genius cucullatus.( Wiener Prähistorische Zeit-schrift. Wien XIX( 1932) 311.)

16) Eligiusverbot Ende des 7. Jhdts.: J. Zwicker, Fontes historiaerelionis Celticae II 196.Karolingische Predigt: Charles Du Cange,Glossarium ad scriptores mediae et infimae Latinitatis, 1678 hgg. v.Favre, Paris 1883, IV, 55.

17) Karl M. Mayr, Keltischer Heilgott auf spätgotischem Schnitz-altar( Archiv für Religionswissenschaft, Leipzig XXXVII[ 1941/43] 354und Tafel 5).

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