mir dagegen Ferdinand Andri mitteilte, in der Wachau seien keineVorleibchen vorgekommen, so kann ich das nur so verstehen, daß siedort viel seltener als in anderen Gegenden obenauf getragen wurdenund dem Künstler daher nicht auffielen. Unter diesen WachauerLeibchen gehören einige der hier behandelten Abart an, wie sie z. B.die Großmutter von Hermine Buxbaum in Joching, Gemeinde Weißen-kirchen, noch bis 1951„ unterisch" trug; sie waren aus Bettzeug undwurden hinten geschnürt oder geknöpfelt 114), der glatte Teil hatte zweiAbnäher. Mir warn als Madin so nett mit unsere Vorleibeln und ihrseids so schlampert“, sagte die Großmutter. Ein Leibchen aus demEigentum von Katharina Jamek aus Joching, das ebenfalls Gustav.Buxbaum aufzeichnete, hat den gleichen Schnitt, der Brustteil ist imFutter mit einem Bandelzug versehen, oberhalb dessen eine Schlung-kante verläuft also die altertümliche Art eines gezogenen Brustteils.von der oben( S. 144) die Rede war: unten ist der Brustteil in Faltengelegt. Ein von Josef Kienzl in Joching um 1905 gemaltes BildBäuerliches Liebespaar"( im Eigentum von Gustav Buxbaum) stellt einblau- weiß gestreiftes Leibel gleichen Schnittes dar. In Elsarn imStraßerthal und in Mollands zeichneten Rudolf und Edith Lang dieseSchnittform mehrmals auf, u. a. bei Theresia Stelzer im Gasthause.Eisenbeck. Das„ Vorleibel" hatte am glatten Teil Abnäher, auf demRücken schloß es nicht immer ganz; es reichte stets nur bis zum Schluß.Man trug es sowohl werktags zur Arbeit, wobei es aus Bettzeugstoffhergestellt und sichtbar war, als auch Sonntags, dann in weißer Farbeund wahrscheinlich nur mehr als Unterzeug. In der Landschaftzwischen Wienerwald und Donau, wo gezogene Vorleibchen unter denWerktagstrachten überhaupt vorherrschen, treffen wir unsere Abarthäufig an. In Pyhra/ Perersdorf zeichnete ich im Sommer 1955 durchVermittlung von Elfriede Chyc im Hause Haiden einen solchen Brust-fleck aus roter Köperwebe auf, der bei der Feldarbeit bis 1914 obenauf,später nur mehr unterisch" getragen wurde. Er reicht etwa handbreitunter den Schluß, durch Einsatz von drei Zwickeln ist ein glatterSchößel gebildet, über den der Kittel und die Schürze gebunden wur-den 115). In Markersdorf bei Neulengbach wurden Brustflecke indiesem Schnitt noch im Sommer 1948 von Anna Krippel und BarbaraLemberger angefertigt und zur Feldarbeit obenauf sichtbar, sonst abermeist nur mehr als Unterkleidung getragen, Josefa Schmatz besaß 1959noch solche Leibchen. Andere Stücke im Eigentum von Maria Fuchswaren rückwärts spitz zulaufend geschnitten und das gezogene Teilam oberen Rande mit Zurkerln" verziert, die durch Ineinanderschiebenkleiner Fleckchen hergestellt waren. Die Muster waren rot, rot mitweißen Tupfen, geblumt oder gewürfelt, schwarz- weiß gewürfelt u. ä.-Aus Würmla teilte mir Franzi Bomal mit, daß ungefähr bis zum Jahre1914 dort Brustflecke in diesem Schnitt üblich waren. die immer nurbei der Feldarbeit obenauf getragen wurden, und Wilhelm Wodnanskyberichtete aus Saladorf, ebenfalls zur Gemeinde Würmla gehörig. vouVorleibchen angeblich grün- weiß gewürfelt die, soweit mir er-innerlich ist, ebenso geschnitten waren.Diesem Gewährsmannerzählte außerdem W. Baumgartner aus Tulln, sie habe um 1904 alsMädchen in der Tullner Gegend derartige Leibchen getragen, ferner
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114) Einen solchen Knopfverschluß zeigt auch Abb. 2 zu Bux-baums Aufsatz a. a. O.
115) S. meinen Aufsatz, Dirndlkleider aus Niederösterreich( Ka-lender d. nied.- öst. Bauernbundes f. d. J. 1936. Wien 1955, S. 121 f..Bild 2).
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