Jahrgang 
54 (1951) / N.S. 5
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den Schultern her; davon wird noch genauer die Rede sein. Einwand-frei belegt sind enge gelegte Falten( heute sog. Plissees") durch dieFunde von Birka, Schweden, für das 9. und 10. Jhdt. 104). Die jüngerendeutschen Schriftquellen bieten uns kaum eine Handhabe für die Fälte-lung an einem Leibchen: Ulrich von dem Türlin spricht von einem..hemde blanch gevalden kleine" 105), der Stricker sagt: lr rockel und ir.hemde, Diu waren cleine und wiz. Si hete michelen vlîz An cleinevalden geleit 100); Konrad von Würzburg beschreibt ausführlich den Fal-tenwurf, den der Unterstock" des hier bereits modisch gestalteten Hem-des bildet 107). Festeren Boden gewinnen wir, sobald sich Doppelschür-zen wieder quellenmäßig erfassen lassen, nämlich im 15. Jhdt. Nunmehrerscheinen aber alle diese Schürzen am oberen Rande gezogen, bzw.mit einem gezogenen oder gefalteten Ansatz. Man vergleiche das, Tan-zende Bauernpaar" eines unbekannten Meisters( Universitätsbibliothekzu Erlangen 108), eine Randzeichnung Albrecht Dürers v. J. 1514 zumGebetbuch Maximilians( München. Staatsbibliothek), einen Holzschnitt..St. Veronus" von Leonhard Beck um 1517. Hans Dürers Holzschnitt,den Troß im Triumphzug" darstellend 109), Albrecht Dürers Stich., Tan-zendes Bauernpaar v. J. 1514, Jost Ammanns Nürnberger Magd" usw.Mag man einwenden, daß diese Schürzen mit ihrem gezogenen Ansatzja nicht die Brust bedecken, sondern lose herabhängen, so wird dochan Hand des erstgenannten Bildes klar, daß hier nur eine spätere Ab-wandlung der früheren Tracht vorliegt, einfach durch die Verlängerungder Träger bewirkt. Überdies zeigt eine weitere Randzeichnung Dürerszum kaiserlichen Gebetbuch, 1514, ein auf dem Arm eines Mannessitzendes kleines Mädel, dessen Leibchen offenkundig einen gezogenenBrustteil hat und wie ein solches Vorleibel ausschaut( StadtbibliothekBesançon 110).

Auf jeden Fall konnte das Bestreben, das Gewandstück demweiblichen Körper besser anzupassen, für die Brust Raum zu schaffen,zum Zug, bzw. zur Fältelung geführt haben, ehe noch der Abnähererdacht war. Die leichte Raffung, welche sowohl beim Einstich einerMetallschließe als auch beim Trägeransatz 110a) zustande kommt, hatwohl werkmäßig nichts damit zu schaffen, regte aber vielleicht dazu an,

101) Agnes Geijer, Birka III. Die Textilfunde aus den Gräbern.( Kungl. vitterhets historie och antiquitets akademien), Uppsala 1958,S. 16-17, 139, 155, T. I/ 2, II/ 3, III/ 9.

105) Ulrich von dem Türlin. Willehalm, herausg. v. S. Singer,Prag 1895, CCCIX/ 21-22.

106) Angef. b. Hanika. Sudetendeutsche Volkstrachten( Beitr.zur sudetendeutschen Volkskunde, XXII. Bd. 1), Reichenberg 1957, S. 209.107) Konrad von Würzburg, Engelhard, herausg. v. Paul Ge-reke, Halle a. d. S. 1912, Z. 5062 ff.

108) Abgebildet b. Oskar v. Zaborsky- Wahlstätten, Trach-tenkunde der bayrischen Gaue, Bd. 1. Die Tracht im unteren Rott- undVilstal, München 1940, S. 10.

109) S. Ludwig Baldass. Der Künstlerkreis Kaiser Maximilians.Wien 1925, Abb. 48, 76, 99.

110) Baldass a. a O., Abb. 52.

110a) Besonders anschaulich auf dem Grabstein von Zsámbék mit derDarstellung eines pannonischen Mädchens um 200 d. Zeitr., s. M. Lang,Die pannonische Frauentracht(= Jb. d. öst. archäol. Inst. in Wien,Bd. XIX- XX) Wien 1919, Sp. 216, Abb. 97, u. b. Mautner- Geramba. a. O. I. S. 190 Abb. 100.

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