Jahrgang 
54 (1951) / N.S. 5
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Pfarrkirche in Lienz gab es im Jahre 1934 eine Votivtafel mit derInschrift ,, Sankt Kümmernis hat geholfen 1931. Zahlen dieser Artsollten nicht übersehen werden. Sie können unter Umständen fürdie Fortdauer der Verehrung große Bedeutung erlangen.

Die hl. Kümmernis wird von Mädchen in Liebesangelegen-heiten angerufen, vor allem aber von Frauen, denen Kindersegenversagt ist, die von Frauenleiden heimgesucht werden oder einerschweren Geburt gewärtig sind. Die Votive in Krötengestaltsowie Hämmerchen aus Holz. Silber oder Eisen vor Kümmernis-bildern weisen darauf hin 31). In Bauernhäusern Tirols war dasBild der hl. Kümmernis häufig über dem Ehebette zu finden.

Die Heilige hilft bei Augenleiden. An ihren Gnadenstättenspringen heilkräftige Quellen aus der Erde. In Diedersheim a. d.Nahe trank man heilsames Wasser aus einem Gefäße in Schuh-gestalt. In Mühringen ist die Kümmernis eine Quellen- undBrunnenfrau. Aus der Quelle kam der Überlieferung nach ihrHolzbild, d. h. sie selbst, empor und das Holzbild stellt sie, wie eseiner Wasserfrau ziemt, mit nacktem Oberkörper dar und auch,als man sie bekleidete, ließ das Gewand den Oberkörper bis zumNabel frei, womit deutliche Anklänge an die Melusinengestaltgegeben sind.

Wie über die Geburt, so waltet die hl. Kümmernis auch überden Tod. Sie ist die Trösterin der Sterbenden, die Geleiterin derToten, und in diesem Sinne wurde ihr Bild in Friedhofs- undGrabkapellen und unterirdischen Gelassen aufgestellt ³2).

Die hl. Kümmernis steht den zum Tode Verurteilten bei. IhrBild stand auf dem Galgenberge( Gresten, N.- Öst.) und auf demArmen- Sünder- Friedhofe( Weilheim, Bayern). Die Gefesseltenund Gefangenen wenden sich an sie, den Reisenden gewährt sieSchutz. Besonders in Kreuzwegkapellen war ihr Bild zu finden**).

31) R. Kriẞ fand in einer Wallfahrtskapelle von Tann bei demKümmernisbilde( 18. Jhdt.) ein Hammervotiv aus Silber und dabei einenin Silber gefaßten Blutstein, wodurch die phallische Bedeutung desHammervotives erwiesen wird( Nachträge zu Volkskundliches aus alt-bayrischen Gnadenstätten, Baden bei Wien 1955, S. 26). Der Hammer-wurf in Beziehung zu Fruchtbarkeit und Ehe ist nicht nur aus altnordi-scher Überlieferung bekannt, er findet sich auch in mittelalterlichenMarienliedern als Sinnbild übernatürlicher Befruchtung( W. M. Schmidim Korrespbl. d. Ges. f. Anthrop. 1896).

32) Emmersham, Metten, Dingolfing, Landshut, Mosham i. Bayern;Axams, Olang, Schluderns i. Tirol.

33) In der Antike ist es das Bild der dreigesichtigen, dreiköpfigenoder dreigestaltigen Hekate, Preller, Griech. Myhol., Berlin 1894,I 525.

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