Chronik der Volkskunde
Fünfte österreichische Volkskundetagung
Die fünfte Tagung der österreichischen Vertreter der Volkskundewurde von Geschichtsverein für Kärnten eingeladen und durchgeführt.Sie fand nicht nur in Kärnten statt, sondern hatte in vieler Hinsichtauch ein deutliches Landesgepräge. Die Kärntner Landesregierung liehden Veranstaltern freundlicherweise ihre bedeutende Unterstützung,was schon in der Begrüßung der Tagungsteilnehmer durch den HerrnLandeshauptmann und verschiedene andere hohe Funktionäre anläẞlichder Eröffnung der Volkskundeabteilung des Landesmuseums zum Aus-druck kam, die gleichzeitig mit der Eröffnung der Tagung selbst statt-land. Bei dieser Gelegenheit sprachen als Vertreter der Kärntner For-schung Prof. Dr. Gotbert Moro und Prof. Dr. Oskar Moser, der sichauch der Mühe der Organisation der Tagung unterzogen hatte. Dieinternen Tagungsveranstaltungen begannen mit dem Vortrag von Prof.Eberhard Kranzmayer über„ Österreichs Volkskultur im Spiegelseiner Ortsnamen und Mundarten", der damit vielen Tagungsteilneh-mern erst die geschichtlich- volkskundlichen Züge seiner Kärntner Hei-mat faßbar machte und auch auf die die Tagung beschließende Rund-fahrt durch das schöne Land vorbereitete.
Der nächste Tag begann mit einer ausführlichen Übersicht überden Stand der Volkskunde in Italien, den der zum Vorsitzenden derTagung gewählte Altösterreicher Prof. Dr. Giuseppe Vidossi, Turin,bot. Anschließend hielt Dr. Franz Lipp einen eingehenden Vortragüber die Bauernmöbel Oberösterreichs und ihre Bemalung, wozu Prof.Moser ein kurzes Korreferat über den Stand der Kärntner Möbel-forschung darbot. Der Nachmittag dieses arbeitsreichen Tages brachteden äußerst wichtigen Vortrag„ Aufbau des Volkslebens von Doz.Hanns Koren, der sich insbesondere mit den neueren Theorien derVolkskunde auseinandersetzte, welche die früher stark in den Vorder-grund gestellten Begriffe Volk und Gemeinschaft durch genauere Kate-gorisierungen auszuschalten versuchen. Die lebhafte Diskussion zeigteeine entschiedene Scheidung der Geister in fortschrittlichere und kon-servativere. Da es sich dabei zu guten Teilen um von mir vorgetrageneTheorien handelte, mußte ich die Fortsetzung der Debatte bis nachmeinem Vortrag am nächsten Vormittag verschieben lassen, wo siedann in gemilderter Form beendet wurde. Der Abend des Haupttageswar dem Vortrag von Prof. Arthur Haberlandt gewidmet, der über..Die Volkskunde in einzelnen Unterrichtsfächern an den österreichischenMittelschulen berichtete und zwei dazugehörige Filme vorwies. Derletzte Tag der Sitzungen brachte zunächst einen instruktiven Berichtüber die Verhältnisse der Volkskunde in Westdeutschland von Prof.Rudolf Kriß, woran sich noch eine längere Mitteilung über die Flücht-lingsvolkskunde von Prof. Richard Wolfram anschloß. Dann konnteich einige neue„ Probleme der alpenländischen Sagenforschung" auf-rollen. Doz. Leopold Kretzenbacher behandelte im Anschlußdaran Probleme der steirischen Legendenforschung" und zeigte dieWege der gegenwärtigen und künftigen Forschung auf diesem etwasvernachlässigten Gebiet auf.
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