Jahrgang 
54 (1951) / N.S. 5
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der Darstellung der beiden großen Industriewerke der Toten-stadt, von denen das eine Kunststeine herstellt, und das anderesie wieder zerschlägt und zermahlt, um der einen das Materialfür ihre Arbeit zu liefern... All das Sinnbildliche, das sonst indie Einzelzüge der volksmäßigen Überlieferung hineingelegt ist,scheint hier in einem großen, dichterisch voll gelungenen Bild neubewältigt, und neu zur Geltung, ja zur Gültigkeit gebracht 17).Die Situationen, die Dichter wie Jünger und Kasack dar-stellen, sind ebenso wie die Sinngehalte, die sie aus den erneuer-ten Volksglaubenszügen zu gewinnen trachten, längst zum Stoffder bildenden Kunst geworden, die im Surrealismus dieser an-drängenden Stoffe und Probleme Herr zu werden trachtet 18). Dasleidgezeichnete Werk der jungen Vertreter dieser Kunst verrätnur selten, woher der einzelne geistig kommt. Hier wird erst dieZukunft wissen können, wie jeder für sich zu dieser Art der Aus-sage kam, was er an Substanz des Volksglaubens dafür vererbtund überliefert erhielt, und wieviel davon erworben, angelernt,angelesen gewesen sein mag.

Eines ist dabei gewiß: Was unsere Zeit hier in den Künstlernfreigemacht, bloßgelegt hat, was sie uns an Volksglauben zeigenund was sie daraus weiterhin gestalten, das trägt den Stempel derNotwendigkeit an sich. So haben die Großen der Zeitwende um1500 sich von ihren Gesichten befreit, so hat Hieronymus Boschdie Dämonen seiner Zeit beschworen, so hat Dürer die Apokaly-tischen Reiter vorüberbrausen gesehen 19). Die vorhandenen Volks-glaubensgestalten, immer wieder durch äußere und innere Notneu vergegenwärtigt, sind auf diese Weise zum Stoff der größtenRomantiker geworden. Kein Arnim, kein E. Th. A. Hoffmann istchne sie denkbar. Es kann daher die Volkskunde nicht dabeistehenbleiben, die Geisterseher der Vergangenheit, die Erleben-den und künstlerisch Gestaltenden des Volksglaubens in der Re-

17) Kasack, ebendort, S. 238. Ein nicht minder großes Bild, dassehr stark mythische Züge aufweist, hat Kasack in seiner neuestenErzählung Der Webstuhl" ausgeführt. Frankfurt am Main 1949.

18) Über diesen Zug der bildenden Kunst der Gegenwart kannman sich nur durch die lebendige Anschauung unterrichten. Das meisteAbbildungsmaterial bieten derzeit wohl die Ausstellungskata-loge, beispielsweise: Art Club. Internationaler unabhängiger Künst-lerverband Sektion Österreich. I. Jahresausstellung, 1948, Wien.( Miteinem aufschlußreichen Vorwort von Otto Benesch, Über die Be-urteilung zeitgenössischer Kunst in Krisenzeiten). Ausstellung Italie-nische Malerei der Gegenwart. Wien 1950.

19) Die offenbar wichtigen neuen Arbeiten von Wilhelm Frän-ger über Bosch und Will- Erich Peuckert über Luther, welche ge-rade diesen Problemen mit aktueller Intensität nachgehen, habe ichleider noch nicht einsehen können.

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