Jahrgang 
54 (1951) / N.S. 5
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für nur ein Beispiel aus dem zweiten Pariser Tagebuch: ,, Bei TischGespräch über Laval und seinen Aberglauben, mit dem auch hierder weiße Schlips, den er trägt, zusammenhängen soll. Auch führter immer ein kupfernes Zweisous- Stück mit und hält sich von Ver-handlungen fern, wenn er es vergessen hat. Er ist von seinemGlücke, von seinem guten Stern überzeugt, und als besondersgutes Omen rechnet er sich an, daß bei der Geburt der Mutter-kuchen ihm gleich einer Haube auf dem Kopfe lag, was auch imVolksglauben als ein bedeutendes Vorzeichen gilt. Nun, man wirdsehen.10) Bis auf die Schlußbemerkung hätte diese ganze Beob-achtung auch ein reiner Volkskundeforscher unserer Tage nieder-schreiben können. Wenn er der alten Schule angehörte, wäre ihmdie Verbundenheit Jüngers mit dem bäuerlichen Volksglauben da-bei besonders aufgefallen. Einem Mann der neuen Schule wirddagegen eine solche Beobachtung den Weg weisen, sich zu ver-gewissern, inwieweit Jünger allen verwandten Erscheinungennachspürt, und welche Rolle sie in seinem eigenen Innenlebenspielen. Das ist gerade an Hand dieser Tagebücher verhältnis-mäßig leicht festzustellen, da hier auch die Träume des Dichtersaufgeschrieben sind. Ohne diesen kostbaren Stoff der Tiefen-psychologie streitig machen zu wollen, können doch auch wir dar-aus Gewinne ziehen. Wenn Jünger etwa berichtet: Ferner ge-träumt, daß ich Geld zähle, und zwar in Gesellschaft von FriedrichGeorg. Das Volk besitzt für diese Aktion die Deutung, daß manSchwierigkeiten zu überwinden haben wird. Übrigens sind dieseErklärungen meist unbedeutend, wenn auch ein Teil von ihnenauf Erfahrung beruht, auf Einsicht in die geheime Verwandtschaftder Substanz. Die Traumbücher treiben Symbolik im Sinne derÜbersetzung, der Wörterbücher, der bloßen Aufzählung..." 11), sogibt dies doch mehr als die bloße Kenntnis, daß der Dichter seineTräume zur Kenntnis nimmt, und die volkstümliche Traumdeu-tung einerseits kennt, anderseits aber verächtlich macht. Es han-delt sich hier ja nicht um die Überlegenheit des rationalistischGebildeten, sondern um die eines Mannes, der sich seine eigeneGeheimwissenschaft baut und zutraut.

Es sind also gar nicht mehr nur Probleme der Kenntnis-nahme, die uns gegenwärtig hier zu beschäftigen haben. Die wah-ren schöpferischen Künstler unserer Zeit kennen den Volksglaubenentweder aus organischen Überlieferungsquellen oder auch ausabgeleiteten, literarischen, auf Umwegen oft der seltsamsten Art.Sie kennen ihn aber nicht nur, sondern sie formen ihn persönlichweiter und lassen davon in ihr Schaffen einfließen. Die Über-

10) Ernst Jünger, Strahlungen. Wien 1950. S. 542.

1) Jünger, ebendort, S. 314.

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