Jahrgang 
53 (1950) / N.S. 4
Einzelbild herunterladen
 

brechenden Leistungen des nordischen Klassikers, dessen schönes Bildnisden Leser zu Beginn des Buches grüßt, wird auf diese Weise sicherlichrasch in die Breite und Tiefe wachsen.Leopold Schmidt.

Max Fehr, Die wandernden Theatertruppen in der Schweiz, 1600-1800.( XVIII. Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur,1948, zugleich VI. Schweizer Theateralmanach, hg. Oskar Eberle.)Einsiedeln 1949, 221 Seiten.

Die bisher vorliegenden Jahrbücher der Schweizerischen Gesellschaftfür Theaterkultur, herausgegeben vom Begründer der wissenschaftlichenSchweizer Theaterforschung und Spielleiter Oskar Eberle, sind wert-volle Bausteine zur Theaterwissenschaft. Auch die Volkskunde zieht ausihnen reichen Gewinn, da die Grundeinstellung Eberles jegliche Form desVolkstheaters, vaterländisches Festspiel und geistliches Volksschauspiel.Fastnachtsbrauch und Maskentreiben, Wandertheater und Puppenspiel miteinbezieht. Im neuen Band XVIII bietet M. Fe hr eine aus archivalischenQuellen mühsam erarbeitete Geschichte des Wandertheaters in der Schweizfür den Zeitraum von 1600-1800, in dem über einer breiten Grundlagevolkstümlicher Brauchspiele sich Schulkomödie und Barocktheater erheben,beide zunächst unvolkstümlich, aber bald auf das Volksschauspiel befruch-tend zurückwirkend. wo ferner die dramatischen Literaturen der Groß-völker sich zur Höhe der Klassik erheben und viele Formen und Ten-denzen ausbilden, deren Nachwirkungen wir im Theaterleben von heutenoch spüren.

Einen spät erkannten, aber wesentlichen Anteil am Werden der The-aterkultur dieser Zeit haben auch die Wandertruppen, die allenthalben beiden europäischen Völkern der Errichtung ständiger Bühnen, den National-theatern voran gehen. Sie tragen, so verachtet sie in gesellschaftlicherHinsicht sein mochten, das nationale Spielgut ihrer Zeit über Staats- undSprachgrenzen hinaus und repräsentieren mitten in der Ausbildung dernationalen Literaturen noch immer gewissermaßen eine europäische Gel-stigkeit. Zu Beginn dieser Epoche bringen die Englischen KomödiantenMarlowes Faust und Shakespeare- Stücke 1608 nach Graz. Deutsche Prin-zipale tragen neben den Haupt- und Staatsaktionen das regelmäßige Stückfranzösischen Geschmackes ins Land und lösen sich mit der opera seriaund buffa der italienischen Spielgruppen wechselweise ab.

Von den vier Völkern der Schweiz haben drei an Sprache und Kulturder bedeutendsten Theaternationen Europas Teil. Wandertruppen ausDeutschland und Österreich, aus Frankreich und Italien bespielen regel-mäßig durch fast zwei Jahrhunderte bis zur Errichtung konkurrierenderstehender Bühnen die größeren Städte der Schweiz. Über sie handeltFehr. Einleitend stehen( manchmal allzu knappe) Ausführungen übertheatralisches Spiel und Registrierung, Obrigkeit und Theater, Spielleiterund-zeiten, Einnahmen und Ausgaben. Repertoire und Zensur, Musik undSpielergesellschaften, Kindertruppen und Einzelmimen, aber auch überdie auffallend viel gepflegten Sondergattungen der Pantomime und desBallets, des Puppenspiels der Marionetten( Fadengruppen) und Policinelli( Handpuppen)( wobei der landesüblichen Sondernamen: Kunzen- Jagen,Docken, Docketen gedacht wird. S. 51); endlich über die Schattenspiele( Ombres chinoises), deren chinesische Herkunft heute als gesichert gilt. IhrWanderweg aus Italien nach Deutschland lag bisher mangels italienischerVorarbeiten sehr im Dunkel. Hier vermag Fehr zu belegen, daß die Mehr-zahl der Schattenspieler, die die Schweiz durchzogen, italienischer Ab-kunft war.

199