Jahrgang 
53 (1950) / N.S. 4
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bekannten wienerischen Wort ein Schwein haben" zum Ausdruck kommt.

Für die Faschingszeit hat man hier keine besonderen Bräuche. UnsereGegend hat sich hierin vollständig dem Ballgetriebe der Großstadt ange-glichen. Auch die Fastenzeit geht ohne eigene Sitten vorbei. Erst in derKarwoche, nämlich am Abend des Mittwochs vor Ostern. ,, fliegen dieKirchenglocken nach Rom", d. h. sie läuten nicht mehr. Ihre Stelle ver-treten bis zur Aufersehung die Ratschen. Die Schulbuben des Dorfes ziehenals ,, Ratschenbuben gruppenweise teils mit Handratschen. teils mit Rat-schen die auf ein kleines Fahrgestell montiert sind, das sie vor sich her-schieben, von Haus zu Haus. Vor jedem Haus bleibt die Schar stehen undsingt:

Mir ratschn, mir ratschn den englischen Graaß, wo jeder fromme Christ schön beten muaß!Wenn sie das letzte Mal ilire Runde machen fügen sie hinzu: ,, Mir rat-schen, mir ratschen z'letzt!". wobei das z'letzt!" sehr scharf und laugesprochen wird. Nachher sammeln die Buben Gaben und bekommenOstereier, Backwerk oder auch Geld. Am Gründonnerstag ist es bei unsSitte, den ersten Spinat zu essen. Der Speisezettel wird unter Bezugnahmeauf die Farbe grün gestaltet.

Zur Auferstehung" legt jedes Wert darauf, irgend ein neues Klei-dungsstück anzuhaben, sei es nun ein Hut, ein Kleid oder auch nur Hand-schuhe.

Am Ostermontag findet das Emmausgehen" statt, das heißt, die ganzeFamilie muß gemeinsam einen Spaziergang machen. Es ist das dem Namennach eine Erinnerung an den Gang der Jünger nach Emmaus.

Zu allen Zeiten des Jahres versucht man durch bestimmte Handlungendas Gute wie das Böse zu bannen, oder aus gewissen Zeichen Zukünftigesvorauszusagen. Weit verbreitet und auch in der Umgangssprache fest-gelegt ist der Glaube. daß die Nennung des Bösen das Gute befördere undumgekehrt. Darum wünscht man seinem lieben Nächsten statt viel Glück"lieber Hals- und Beinbruch". Meint es das Schicksal mit jemandem gut,so sagt man ihm nach, er habe in den Dreck gegriffen". Bekannt ist auch,daß Scherben Glück bringen. Anderseits soll man über Glück oder Ge-sundheit nicht reden, das heißt man soll es nicht verschreien". Sprichtman dennoch davon, so soll man dazu auf etwas Hölzernes klopfen. Hier-her gehört vielleicht auch, daß man auf einen Regenbogen niemals mit demFinger zeigen soll, weil er sonst verschwindet. Manche Leute wollen mitHilfe des Kuckucks ihr Glück beschwören. Hören sie das erste Mal imJahr den Kuckuck schreien so klingeln sie mit dem Geldbeutel, damitihnen das ganze Jahr hindurch das Geld nicht ausgeht. Einen ähnlichenZweck verfolgt man damit, daß man eine blühende Getreideähre zumGeld legt.

Will man einem Abwesenden in einer besonderen Angelegenheit be-hilflich sein, so hält man ihm den Daumen". Manche Leute behaupten,es dürfe nur der rechte sein, während der linke Unglück bringe; anderewünschen, daß man ihnen beide Daumen hält. Denkt man dagegen zu vielan den Betreffenden, so ist das auch nicht gut. Er bekommt nämlich davonden Schnackerl"( Schlucken), was bekanntlich sehr störend ist.

Es bedeutet Glück, wenn einem ein Rauchfangkehrer oder ein Schim-mel begegnet. Dagegen bedeutet eine Nonne oder eine schwarze KatzeUnglück. Auch der schon erwähnte Kuckuck hat prophetische Gaben: nachder Anzahl seiner Rufe berechnet man die Lebensjahre, die einem nochbeschieden sind. Die Katze dagegen kündigt durch eifriges Putzen an, daßnoch am selben Tag Besuch kommen wird. Dasselbe bedeutet es, wennein Messer oder eine Schere zu Boden fällt und mit der Spitze dortstecken bleibt, oder wenn man sich versehentlich neu herausnimmt, solange

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