Meringer die Basis zum nachträglichen, aber endgültigen Schlag gegenBancalari geschaffen, weil er sonst nirgends mehr auf ernsten Widerstandzu stoßen fürchten mußte.
1903 drei Jahre nach Bancalaris Tode- erfolgte in den Mitteilun-gen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien unter dem Titel:„, GustavBancalari und die Methode der Hausforschung" Meringers unerbittliche,jeden Satz zerpflückende Abrechnung. Keine Spur mehr von der früherenBeschränkung der Angriffe auf die Nomenklatur. Jetzt wird alles zer-schmettert, die Kritik gegen jeden Satz, jeden Einfall getrieben, bis so gutwie nichts übrig bleibt von dem, was dieser wie Meringer vorwurfsvollerwähnt ,, mit keiner Wissenschaft in festem schulmäßigen Zusammen-hang stehende, in allen methodischen Fragen auf sich selbst angewieseneMann", dem nichts als seine natürliche Anlage half, nach der Überzeugungaller unvoreingenommenen Zeitgenossen für die Wissenschaft geleistethatte. Bancalari wird da grund- und wahllos vorgeworfen, daß er demHause immer von außen beikommen wollte, statt von der inneren Analyse,daß er dem Hausrat zu geringe Beachtung geschenkt und in theoretischerSpekulation viel zu viel erklärt habe, daß seine gründlich vorbereitetenWanderungen mit Karte, Notizbuch und Zeichenstift bloß„ flüchtige Sieben-meilenstiefelforschung" gewesen seien, die nur den vorübergehenden Werteines., bald überflüssigen Rekognoszierungsgalopps“ gehabt hätten. Ananderer Stelle anerkennt Meringer wohl ausnahmsweise Bancalaris tapfe-res Vorbild im Sammeln; das berechtigt aber noch nicht zu Otto Lauffersbeschönigender Bemerkung, Meringer habe den Wert von BancalarisSchriften nicht herabsetzen wollen ¹), denn Meringer fügte gleich selbsthinzu: so segensreich die Sammeltätigkeit Bancalaris sein mochte, so ver-führend seien seine aus der älteren populärwissenschaftlichen Literaturstammenden Schlagwörter gewesen, und kommt zum Schluß, daß dieJugend vor der Nachahmung Bancalaris zu warnen sei, weil man wegenseiner Methode die größten Befürchtungen hegen müsse. Damit erschienenBancalaris Verdienste als Feldforscher und als Methodiker gleicherweisezertreten, was auch zweifellos Meringers Absicht war.
Bancalaris Freunde waren selbst schon tot oder schwiegen, starr obder Vehemenz eines solchen Angriffs. Niemand fand sich, der Meringererwidert und sich zum Anwalt Bancalaris gemacht hätte. Meringer be-herrschte nun das Feld in der österreichischen Hausforschung und wachtescharf darüber, ob sein Name nicht zu selten zitiert würde. Im Zusammen-hang mit dem Bauernhauswerk des österreichischen Ingenieur- und Archi-tektenvereines erhob Meringer gegen Anton Dachler einfach deshalb denVorwurf der Voreingenommenheit, weil die Leser darin nicht merkenkönnten, wieviel er( Meringer) sich um die Fragen der Hausforschungbemüht hätte 2).
Als Willi Peßler, unbeteiligt an der Auseinandersetzung zwischenMeringer und Bancalari, in der Einleitung zu seiner Dissertation über das,, Altsächsische Bauernhaus in seiner geographischen Verbreitung"( 1906)eine mehr vorsichtige als kritische Geschichte der Hausforschung in Kürzezeichnete, da strich er wohl mit Recht heraus, daß durch Gustav Bancalarisinduktives Vorgehen eine neue Periode in der gesamten deutschen Haus-forschung begonnen habe, setzte aber gleich einschränkend- zweifellosunter dem Eindruck Meringers hinzu, daß Bancalari angeblich„ mit der-selben leidenschaftlichen Begeisterung an selbstgebauten Hypothesen hing.die der Grazer Universitätsprofessor Rudolf Meringer nicht minder tat-
1) Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Berlin, XV, 1905, S. 113.2) Mitt. Anthrop. Ges. Wien. XXXVI, 1906, S. 256.
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