getupftes manchesternes Leibl( ohne andere Überkleider). BeiUnger- Khull ist in Steiermark das Leibel„ eine rottücherne Westemit kugelförmigen Metallknöpfen, über die ein grüner Hosenträgergetragen wird" ¹). Im August 1810 wurde in Wien ein ländlichgekleideter Toter gefunden, bekleidet u. a. mit einem dunkelrottüchenen Leibel ohne Ärmel, schwarzer Lederhose, grünen Hosen-trägern und blauen Strümpfen. Ein anderer, im Juni 1815 Gefun-dener, trug ein„ rotgetupftes bauernmäßig gemachtes Leibel mitgelben Knöpfen“, blauen Janker und einen runden Bauernhut( Beisp.M 14). Lexer führt für Kärnten an: Leibl== Leibchen. Gilet, und dieZusammensetzungen Vourleibl, Überleibl²). In den Wiener Toten-beschreibungen kommt achtmal ein Leibl vor, das aus Tuch oderZeug gemacht ist und der Weste entspricht, zum Unterschied vomUnterleibl, das als Wäschestück gewertet werden muß, wenn esaus waschbarem Material hergestellt ist
Weste ist ein Lehnwort aus dem Französ. des 17. Jhs.. woveste ein ärmelloses Wams bedeutet, und kann im Deutschenzuerst 1689 nachgewiesen werden ³). In den Wiener Beschreibungenüberwiegt das Wort weitaus und wird 278mal verwendet, in derersten Hälfte auch in der Schreibung„ ,, Westi".
Seit 1736 heißt das ärmellose Kleidungsstück in FrankreichGilet; es ist im Rücken aus geringerem Futterstoff und beein-flußte um 1780 in Deutschland die schon als Haus- und Arbeitskleidübliche Weste, die damals Ärmel und angesetzte Schoßteile hatte*).Das Wort ,, Gilet" wird in den Wiener Beschreibungen hauptsächlichin der ersten Hälfte unseres Zeitraumes gebracht, überwiegend mitder Schreibweise„ Gilée", vereinzelt auch ,, Schile“ und„ Schillé“,insgesamt 36mal( Beisp. M 9, 12, 13 usw.). Gilet hat im Fran-zösischen drei Geschlechter und Bedeutungen: m. Weste, f. Unter-jacke, n. Wams Das Durcheinander der Begriffe Leibl, Weste undGilet wurde wahrscheinlich durch den Bedeutungswandel im Fran-zösischen und die spät folgende Eindeutschung hervorgerufen. DerWiener hat die verschwimmenden Grenzen ausgelöscht in derscherzhaften Zusammenziehung„ Schileewestleibl“, die noch heutezu hören ist, und die unbewußt die historische Reihe zurückverfolgt.Weste und Gilet-- ein Unterschied in der Machart ist bei unsnicht feststellbar sind entweder mit einer Knopfreihe in der Mitteversehen( Beisp. M 3) oder übereinanderzuschlagen und zwei Knopf-reihen aufweisend( Beisp. M 32). Als Besonderheit trug III 1836 ein1) Unger Khull. Steirischer Wortschatz( Graz 1903). S. 433.2) Lexer, Kärntn. Wb., Sp. 175.
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3) Kluge Götze, Etymolog. Wörterbuch d. deutschen Sprache.12-13. Aufl.( Berlin- Leipzig 1943), S. 687.
4) Hottenroth, Deutsche Volkstrachten vom 16.- 19. Jh.( Frank-furt a. M. 1923) I. S. 24.
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