Jahrgang 
53 (1950) / N.S. 4
Einzelbild herunterladen
 

haubn zu der Griechin gsagt: Was sehn meine Augn? Agerl, bistdu's wirklich, oder ists dein Geist? Du bist ja erst vor zwa Monatmit mir auf Wien herabgschwummen, und Fikertibixl, jetzt bistschon so zsamgstampert wie ein' Dam'.. Auf das hat d'andre gsagt,ja liebe Gretl, das schöne Gwand ist nicht auf mein Mist gwachsen.Schau, da wohnt ein Tandlerin in der Vorstadt, und die leicht denMenschern an Sunn- und Feirtägn Gwand aus. Da geht man inKuchlfetzn zu ihr, und zieht sich bei ihr von Fuß auf an, und dazahlt ma fürn Tag nicht mehr als ein Gulden, und wenn s'weiß, woman in Dienst ist, so darf man nicht einmal was einsetzen bei ihr..."

Überraschend ist. daß aber doch die Frauenkleidung ein ge-schlosseneres Bild gibt als die männliche: die Frauen waren in derUnterschicht offenbar konservativer als die Männer. Ihre einfacheGebrauchskleidung ist von der in ähnlichen Verhältnissen heute ge-tragenen wenig verschieden, obwohl sich der Hans- Jörgel 1836 überden Weg der Mode so äußert: Wann heut eine Mode von Parisfür die Damen kummt, so tragen s'in acht Tagen schon die Burgers-frauen, in vierzehn Tägen die Köchinnen und in längstens vier Wo-chen die Fabrikenmenscher" ¹). Ungeachtet der wechselndenModen besteht unsere heutige Kleidung im wesentlichen fast ausdenselben Teilen wie vor bald 150 Jahren, nur daß die Farben ausder Männerkleidung verschwunden oder abgeblaßt sind und dasfrüher fast nicht gebrauchte Schwarz eine ziemliche Rolle spielt.

Zu beachten wäre, daß im folgenden sich die Daten an dasGegebene halten; wenn z. B. gesagt wird, daß Bandelschuhe beiden Männern von 1813 an vorkommen, so heißt das nicht, daß dieseim Jahr 1813 erfunden" und erstmalig getragen worden sind, son-dern daß zu diesem Zeitpunkt die Benennung innerhalb der Toten-.protokolle zum erstenmal auftritt; wir finden sie ja auch bereits indem Liedtext von 1805 erwähnt. Was die Benennungen der vor-gefundenen Stücke betrifft, so sind wir diesbezüglich von der Sach-kenntnis des damaligen Beschauers abhängig und müssen seineNiederschriften eben als gegeben hinnehmen. Auch ist zu bedenken,daß sich seither der Inhalt von so manchem Begriff verändert hat,man vgl. etwa Corsett" in der Frauenkleidung! Modische Wand-lungen der einzelnen Kleidungsstücke wurden nicht verfolgt, weilsolche zur Gänze in den Bereich der Oberschicht gehören und ihreDarstellung den Rahmen der Arbeit weit überschritten hätte.

( T. P.= Toten- Protokolle. Römische Zahlen bedeuten denbetr. Monat, der oft bezeichnend für das Tragen eines Kleidungs-stückes ist und auch ein Nachsuchen im Original erleichtert.Beisp. M und Beisp. F beziehen sich auf die ausgewählte Reiheder Beispiele von Männer- und Frauenbeschreibungen.)

1) Briefe 1836, 2, 3, S. 7.