Jahrgang 
53 (1950) / N.S. 4
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Ziele; uns sind diese Zusätze deshalb sehr willkommen, weil sie dassoziale Bild ergänzen.

Durch diese amtlichen Beschreibungen lernen wir vom Hemdbis zur Kopfbedeckung und Fußbekleidung alles kennen, was eineFrau, ein Mann aus dem Volke anzuziehen pflegten, wie diese Dingebenannt wurden, wie die Stoffarten hießen, wie die Farbenzusam-menstellungen beschaffen waren, und dies alles in einer solchenAnzahl, daß daraus eine Statistik des tatsächlich im DurchschnittGetragenen angelegt werden kann, was Einzelnachrichten nie er-möglichen.

In dem genannten Zeitraum wurden solcherart 482 Tote beiderGeschlechter beschrieben, 390 Männer und 92 Frauen. Die Höchst-zahl liegt bei den Männern im Jahre 1828 mit 20, bei den Frauenim Jahre 1808 mit 5; bemerkenswert ist, daß die Kriegsjahre 1805und 1809 auf diese Zahlen keinen Einfluß hatten. Von den Frauenwaren 53 ertrunken( etwas über 57%), meist in der Donau, einigeim Wienfluß; von den übrigen wurden viele auf der Straße vomTode ereilt, einige starben im Spital, einzelne fielen Unfällen odereinem Mord zum Opfer. Fast alle weiblichen Toten gehören denuntersten Schichten an; festgestellt sind: Dienstmägde, Taglöhne-rinnen, Pfründnerinnen, alte, vereinsamte Witfrauen, Bettlerinnen;aus bürgerlichen Kreisen stammte lediglich eine Seidenzeugfabri-kantenswitwe. Bezeichnend ist, daß nur bei drei Leichen goldeneSchmucksachen gefunden wurden. Unter den Männern waren 250Ertrunkene( 64%), 14 erhängten, 12 erschossen sich. Von den Übri-gen starben viele durch Schlaganfälle auf der Straße, einzelne durchVerwundungen bei Wirtshausraufereien und zwei durch Mord. ImGegensatz zu den weiblichen Toten finden sich Leute, die ihrer Klei-dung nach bessere Tage gesehen hatten. Festgestellt sind: zweiBeamte unterster Kategorie, Gewerbetreibende, wie ein Wirt undBäckermeister, ein Tischlermeister, ein Viktualienhändler, ein Nürn-bergerwarenhändler. Unter den übrigen herrschen die Handwerks-gesellen vor; eine Gruppe für sich bilden Männer, die am Wasserbeschäftigt waren: Schiffsknechte, Seilheber, Träger, ein Mühljunge.Dann gibt es Soldaten und Invalide, Taglöhner und Bettler, Fuhr-leute und Bauernknechte. Die Toten der Donau stammten sichernur zum Teil aus Wien; manche wurden vom Wasser aus denstromaufwärts liegenden Gegenden Niederösterreichs herabgetragen

nachgewiesen kann ein Ertrunkener aus Rossatz( Juni 1826) wer-den und erst im Wiener Stadtgebiet in einem der Arme ange-

schwemmt.

Das Wien von 1800 bis 1850 war noch von den Basteien um-grenzt. In den Vorstädten wohnten die Kleinbürger, die Minder-bemittelten, in den Vororten außerhalb des Gürtels war es ländlich,in Simmering oder Lainz, in Hütteldorf oder Sievering trugen die