Jahrgang 
53 (1950) / N.S. 4
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Die Bekleidung unbekannter Toter in Wien

in der ersten Hälfte des 19. JahrhundertsVon Karl M. Klier

Größere Arbeiten über die Kleidung in Wien ¹) und dem an-grenzenden Niederösterreich fehlen bis jetzt im Gegensatz zuden anderen Bundesländern, von denen insbesondere Steiermarkein grundlegendes Werk besitzt, dessen Ergebnisse über die Gren-zen dieses Landes hinaus von Bedeutung sind 2). Der hier geboteneVersuch beschränkt sich auf einen genau abgegrenzten Archiv-bestand, ergänzt durch Nachrichten aus gleichzeitigen gedrucktenQuellen, hauptsächlich den Eipeldauer- ³) und Hans- Jörgel- Brie-fen), die wertvolle Nachrichten und Glossen über die neu auf-tretenden Kleidungsstücke bieten, die in keiner Modezeitschrift zufinden sind.

Die Totenprotokolle der Stadt Wien enthalten in den Jahrenvon 1800 bis 1848 unter Unbekannt und N. N." genaue Beschrei-bungen der innerhalb der Stadtgrenzen aufgefundenen Toten, töd-lich Verunglückten oder in den Spitälern Verschiedenen, deren Per-son nicht ohne weiteres festgestellt werden konnte und die meistim Wiener Allgemeinen Krankenhause gerichtlich beschaut wordenwaren. Die Eintragungen umfassen Tag und Ort des Todes, bzw.der Auffindung. Geschlecht, mutmaßliches Alter, Beschreibung vonStatur, Gesicht und Haartracht, besondere Kennzeichen, sowie dieBekleidung. Diese oft recht eingehenden Beschreibungen sollten dieErmittlungen betreffs der Toten unterstützen; sie wurden auch inder Wiener Zeitung veröffentlicht. Wie nachträgliche Ergänzun-gen in den Büchern zeigen, führten sie nur bei einem Teil der Fälleeinem Sechstel der Frauen, einem Siebentel der Männer zum

1) Bildwerke, wie die von J. E. Scheurer, Wiener- Costüme vomMittelalter bis zur Gegenwart( Wien, A. Schroll& Co., o. J.), 12 Bl. Fol.,und J. Geẞler, Die Moden des 19. Jhs.( Wien 1898). 99 Farbtafeln, ohneText und Quellenhinweise sind von zweifelhaftem Wert. Eine kleineallgemeine Überschau Tracht und Schmuck" bei L. Schmidt.. WienerVolkskunde( Wien 1940), S. 35-37.

2) Mautner- Geramb Steirisches Trachtenbuch( Graz 1932-1935).3) Über die in Betracht kommenden vier Folgen der Eipeldauer-Briefe von 1799-1821 unterrichtet die D.-Oe. Literaturgeschichte von Nagl-Zeidler- Castle II, S. 292 ff. u. III, S. 372.

4) Komische Briefe des Hans- Jörgels von Gumpoldskirchen( Wien 1832-1850 ff.). Vgl. Nagl- Zeidler- Castle III, S. 373 f.

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