der Vergangenheit auf die Nachtfeier, weshalb die Leute bereitsabends von zu Hause weggingen oder tags vorher, damit sie rechtzeitlich morgens in der Kirche sein konnten. Diese Volksandacht istim Oberen Mühlviertel an mehreren Kirchen gehalten, ist aber fürhier im Schwinden aus der lebendigen Übung. Ein Beweis, wieinnerhalb ganz enger Gebiete die Volks- und Wallfahrtsfrömmig-keit verschiedene Akzente hat. Die Jugend weiß im allgemeinennichts mehr von den Goldenen Samstagnächten, die für unsereGroßeltern noch mit einem gewissen Geheimnis einer Nachtfeierund Wallfahrt zu Ehren der schwarzen Muttergottes umgeben
waren.
In der Fastenzeit wallfahrteten noch bis zur Jahrhundertwendedie eine oder andere Frau wohl in alter Erinnerung auf den Cal-varienberg, der auf dem aussichtsreichen Hügel südlich vonLembach ist. Es führen die Kreuzwegstationen hinauf und obensteht eine große Kapelle, die gut erhalten ist; sie bildet den Ab-schluß für den Kreuzweg. Die Kapelle, für die man den Schlüsselim Pfarrhofe Lembach ausgefolgt erhält, hat im Inneren eine Wid-mung, daß ein Leinweber aus Lembach zum Dank für seine Rettungaus Todesgefahr auf der Donau den auf die Höhe führenden Kreuz-weg errichten und die Kapelle habe erbauen lassen. Lembach hattesehr reiche Leinwandhändler und es ist leicht möglich, daß einerauf der Donau in Todesgefahr gekommen war und daher ein Ge-löbnis machte, wie es für Votivbilder in einigen Kirchen entlangder Donau bekannt ist. Neben dem kleinen Altar mit Madonna, aufdie sich die älteste Marienwallfahrt bezieht, interessiert vor allemdie Nische auf der linken Seite mit einem„ Heiland in der Wies". Zuihm ging man in der Fastenzeit und in der Osternacht. Einen Hei-land in der Wies hier anzutreffen, ist nicht überraschend, da es inBayern und in den angrenzenden Ländern bis zum Ende des 18.Jahrhundert nur selten eine Kirche oder ein Haus ohne diese Dar-stellung gegeben hat 18). Zahlreiche Haus- und Feldkapellen enthaltenihn noch in der Gegend; allerdings kennt man ihn nicht mehr unterseinem Herkunftsnamen, seine Verehrung ist ganz aus der Volks-frömmigkeit geschwunden; die Kapellen sind daher auch ganz ver-wahrlost.
Die Darstellung in dieser Kapelle kennzeichnet den gegeißeltenHeiland deutlich als den von oder auf der Wies, denn es ist derWiesengrund deutlich gemacht, auf dem er steht. Er ist auch ver-schlossen in den Glaskasten wie der in Wies selbst, und es dürftewohl eine aus Wies stammende Nachbildung ein; wahrscheinlichwürde das Pfarrsiegel von Wies dies bestätigen, das sie meistenstragen. Der Heiland auf der Wies erscheint auf einer Gruppe vonVotivtafeln, die sich gegenwärtig zwar nicht im Innern der Kapelle,
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