Maria Landshut in der Pfarrkirche viele Wallfahrer aus der näherenUmgebung und sogar aus weiter Ferne eingefunden hatten, bis derJosephinismus eine Änderung erzwang. Nach einem kreisamtlichenBerichte von Jahre 1789 machte die Kleinzeller Wallfahrt„ allenübrigen den Vorrang streitig“. Bevor Maria Landshut 1772 auf demlinken Seitenaltar ihren Platz erhielt, den sie bis heute innehat undwo sie allseits verehrt wird, hatte sich auf dem Hochaltar vor derStatue des hl. Laurentius, des Kirchenpatrons, eine geschnitzteMarienstatue mit dem Jesuskind befunden, die in ein Stoffkleid ein-gekleidet war. Maria Lichtmeß war das Hauptfest gewesen undwurde als Ortsfest bis in die vierziger Jahre des vergangenen Jahr-hunderts gefeiert 8).
Es erscheint somit nicht zufällig, daß sich gerade in dieserPfarre und in der Umgebung die Wallfahrtsfrömmigkeit erhaltenhat sie war nie ganz abgebrochen, die Erinnerung an die Wall-fahrt Maria Landshut ist noch volkslebendig und sich in einemfrommen bäuerlichen Menschen zu einer Gründung auf einer Wald-kuppe über dem Tal der Großen Mühl aufgipfelte.
Matthias Lanzersdorfer stammte aus St. Martin im Mühlviertel,der Nachbarspfarre von Kleinzell und war 1840 geboren, hatte sichin wiederholter schwerer Krankheit zu der Muttergottes von derImmerwährenden Hilfe verlobt und hatte 1874 auf der Waldkuppeoberhalb seines Heimatdorfes Ramersberg ihr zu Ehren und zumDanke eine Kapelle erbaut. Er lebte ehelos als Auszügler und hattesein nicht unbeträchtliches Vermögen, das ihm aus den Auszugs-rechten zufloẞ, für ihre Einrichtung und Erhaltung verwendet ³). Essoll für den„ Hiasl zu Ramersberg", wie er geheißen wurde, richtiggestellt werden, daß er kein alter Einleger war, wie es irrtümlichim Führer durch die Sammlung für deutsche religiöse Volkskunde,Erzbischöfliches Dom- und Diözesanmuseum in Wien, S. 33, vonihm heißt. Ein Einleger, als außerhalb der sozialen bäuerlichenStandesordnung stehend, könnte niemals eine Wallfahrtsstätteschaffen. Matthias Lanzersdorfer war nicht nur der Gründer, er hatdie Kapelle auch innen mit seinen eigenen Schnitzereien nach seinemGeschmack ausgestattet, die kleinen Altäre in seiner Auffassung imgotischen Stil geschnitzt und bemalt. Er ist aus dem inneren reli-giösen Antrieb der Volkskünstler geworden, der im Laufe vondreißig Jahren an seiner heiligen Aufgabe gewachsen ist, wie mandenn gerade an den Votivtafeln, die er auf Bestellung angefertigthat, nicht nur technischen, sondern auch künstlerischen Fortschrittaufweisen kann. Auf den Votivbildern ist stets das Gnadenbild dar-gestellt; auf den ältesten ist es als aufgeklebtes Papierbild genau inder Manier, wie sie auf bemalten Bauernmöbeln einstmals in derGegend üblich war, in den Raum einbezogen. In einer Anzahl dieser
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