als dreißig Jahrgänge zum Kriegs- und Militärdienst herangezogenworden- waren die jüngeren durch ihre lange Abwesenheit vonder Heimat so aus den gewohnten Lebensumständen herausgeschleu-dert worden, daß sie sich in die alten Verhältnisse, wo sie solchein der Familie oder im Dorfe vorfanden, nur mehr schwer oder garnicht mehr hineinfinden konnten. Mit ihnen zog die„ Neue Zeit" indas Dorfleben ein und der natürliche Gegensatz von jung und altbildete sich um zu dem von Altmodisch und Fortschrittlich; dasWallfahrtswesen hatte bis zum Kriege noch soviel Altgewordenesund nicht mehr den berechtigten Erkenntnissen Rechnungtragendesan sich gehabt, daß viele Menschen gar nichts daran fanden, wennda ein bißchen etwas geändert oder weggelassen wurde. Natürlichdie Alten, oder besser gesagt, die altmodisch gewordenen Menschenkonnten da nicht mit, sie waren gegenüber den Fortschrittlern zurResignation gezwungen.„ Ihr werdet es schon noch sehen", mitdiesen Worten zog sich einer vor einem halben Jahrhundert auf sichzurück, der nun in den letzten Jahren als hoher Achtziger im An-blick unserer gegenwärtigen Lage sich äußerte,„ daß es so kommenmußte, weil man auf das Beten und das Wallfahren ganz vergessenhatte". So tief war für seine Generation, die mit ihrem Geburts-datum weit hinter die Jahrhundertwende zurückreichte, das Wall-fahren in der Volksfrömmigkeit verhaftet, daß ihnen ein Abgehenein schuldbares Vernachlässigen der religiösen Verpflichtung war.
Der Haltung dieser Alten können wir die der Männer gegen-überstellen, die nach dem Weltkrieg als die Fortschrittlichen ihreAnsprüche angemeldet hatten; sie beginnen sich auch schon demAlter zu nähern. Im Angesicht der Dürrekatastrophe 1947 im oberenMühlviertel erklärte derselbe greise Gewährsmann, zu seiner Zeithätte man sich schon längst zu einem Bittgang zu der in der Pfarregelegenen Kapelle entschlossen, jetzt dächten nicht einmal die Zech-pröbste daran,„ daß man um Regen beten gehen könnte“. Und esdauerte lange Wochen, bis einige Frauen die Initiative dazu ergrif-fen. Und dies in einer geschlossenen katholischen Pfarre mit einemzufriedenstellenden religiösen Leben. Man wird die Erklärung nurin einem Strukturwandel der Volksreligiosität suchen dürfen; unddabei wird man den wallfahrenden Menschen beachten müssen,denn auch der bäuerliche Mensch fühlt sich nun in seinem Wirt-schaften und Arbeiten nicht mehr so ganz ausschließlich von derHilfe von oben abhängig, seine Beziehung zum Überirdischen istmerklich gelockert worden; die alte Weisheit, daß zu aller Arbeitder Segen von oben kommen sollte, ist stark verdunkelt, die Hilfedurch Versicherungsschutz gegen Ungemach im Haus und auf demFelde läßt ihn die Dringlichkeit der himmlischen weniger unmittel-bar fühlen. Auch das Gemeinschaftsgefühl ist so weit zurückgegan-
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