Jahrgang 
51 (1948) / N.S. 2
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jekt angewendet. Nicht ohne Glück, denn als Überschau gibt diese Auf-gliederung in Kultische Vorformen besonders die Drachenstichszene derBozener Fronleichnamsspiele Kirchenspiele und Fastnachtspiele dochim wesentlichen die Ergebnisse der eigentlichen Fachforschung von Pich-ler bis Dörrer gut wieder. Die spezielle Anwendung der Individual-betrachtung auf die Spielleiter usw. in dem Abschnitt Dichter, Spielbuchund Bühnenleiter", versucht dann eine Ausschöpfung des Wenigen, wassich dafür finden ließ, und auch nicht ohne Geschick, wenngleich mit rechtsubjektiver Betonung. Die Herausarbeitung des ganz farblosen StofflSchopfer vor dem zweifellos wirklich bedeutenden Debs erscheint gewollt,ja nicht einmal zeitlich begründet. Die Abschwächung der BedeutungRabers aber zeugt von Eigenart. Wenn sich hier, und auf dem gesamtenGebiet des Schauspieles, mitunter Differenzen zwischen den AuffassungenThurnhers und Dörrers ergeben, wie einige recht scharf gehaltene An-merkungen zeigen, dann wird ein offenes Austragen dieser Meinungsver-schiedenheiten der Forschung nur guttun. Vorläufig freilich läßt sich nurfeststellen, daß auch auf diesen Gebieten die Durchdringung des eigentlichStofflichen durch Thurnher zu schwach ist, um überzeugen zu können.Während er bei den religionswissenschaftlichen Grundfragen des BozenerDrachenstiches und der Maibrautschaft der Georgs- und Margaretendar-steller keinen üblen Griff erweist( ich habe schon 1942, Zschr. f. deutschePhilologie, S. 217 f., darauf hingewiesen), so ist ihm die Einsicht in dasWachstum besonders der Überlieferungsformen sonst doch weitgehendversagt. Die Behandlung von Mai und Herbst" z. B.( S. 173) ist erstaun-lich schwach, ganz abgesehen davon, daß Thurnher den Zusammenhangzum Ostschweizer Spiel nicht kennt, wie ihn S. Singer so aufschluß-reich herausgearbeitet hat( Germanisch- Romanisches Mittelalter. Aufsätzeund Vorträge, Zürich 1935, S. 185 ff.). Aber auch dort, wo der Weg durchCreizenach und andere schon vorgezeichnet ist, etwa bei den 7 Far-ben( S. 175), ist man enttäuscht. Stoffe, wie den des, Rex mortis" siehter etwa mit den Augen Nadlers, nicht aber von seinen vielen Beziehungenvon den Gesta Romanorum bis zu Rinckwalts Eiẞlebischen ChristlichenRitter. Mit den Zwen stendt", die schon gar nicht mehr mittelalterlichsind, kommt er dementsprechend auch nicht befriedigend aus, so daß dieso aufschlußreiche Sterzinger Sammlung alles in allem in dieser Hinsichtweder richtig charakterisiert noch aufgeschlüsselt erscheint. Freilich fehltuns dazu ein ausführlicher Kommentar; aber Thurnher hätte diesen wohlwenigstens in einigen Strichen vorwegnehmen können.

So wird man diesen Versuch einer Darstellung um so unbefriedigteraus der Hand legen, als man von der Art und Sprache des Buches zunächstmehr erwarten zu müssen glaubt. Thurnher schreibt nämlich eine sehrhohe Sprache, die der Bedeutung des Gegenstandes durch eigene Be-deutung gerecht zu werden versucht. Daß sie dabei oft zu Phrasen greift,die mitunter die üblichen geschichtsphilosophischen sind, also von Siedel-aufgaben", weltgeschichtlicher Sendung" usw. spricht, wäre noch hin-zunehmen; mitunter freilich sind sie von der Unerträglichkeit der in denJahren des letzten Krieges üblichen. Andere aber sind, was vielleicht nochschlimmer ist, unverständlich: S. 23 Gotenschicksal sahen sie( die Baiern)werden, wo immer sie ihren Blick erhoben was die andern erzähltenals ihr Schicksal, war ihnen Glaube, war ihnen Wahrheit, in jenem hohenSinne, in dem das Göttliche nur die erkennen, die es selber sind." Goten-Göttliches, man fühlt sich an Herders Spottvers über den Namen Goetheerinnert. Solche Phrasen, untermischt mit Verpflichtung, Einsatz undanderen Resten des bekannten jüngst vergangenen Sprachschatzes kehrenzu oft wieder, und tragen zusammen mit Worten wie kindhafter

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