ten, die grüblerische Natur, der schärfere Blick für das Wirklicheund die erhöhte Regsamkeit der Alamannen, von denen aus derstärkste Anstoß des neuen Spielwesens ausging, der bairisch- alpinenArt wie die geistig und wirtschaftlich ringenden Handwerker undKnappen dem herrschenden Patriziertum zu. Dieses Ringen machtesich im ganzen Kulturleben des 16. Jahrhunderts bemerkbar. Wennauch die Stadtschriften jener Zeiten noch wenig von den schwerenGegensätzen im Gesellschaftston erzählen, der die aufstrebendenkleinen Leute von regierenden Schichten und ihren adeligen Le-bensformen abhob, so leuchten die Revolutionskämpfe in die tiefeKluft. Sie tat sich zwischen dem traditionellen ritterlich- patrizischenStadtwesen und dem wirklichen Leben selbst in der reichen Han-dels- und Weinstadt Bozen auf, die wie keine andere im Landedas Verkehrswesen nach Nord, Süd und Ost vertrat und den blü-henden Bergbauplätzen wirtschaftlich zur Seite stand. In diesenBergwerksorten faßte der neue Geist und Stil rascher Wurzeln.Ihr Boden war dafür nach und von jener Seite gelockert worden,der den verstreuten österreichischen Vorlande vorgelagert war.Niemals waren die Wechselwirkungen so kräftig wie in der Hoch-blüte des tirolischen Bergbaus und Verkehrs. So steht z. B. Gen-genbachs„ Gouchmatt" als Glied in der Typengeschichte der Venus-aufzüge den sogen. Sterzinger Fasnachtsspielen aus Vigil RabersNachlaẞ 11, 14 und 15 zunächst. Niklas Manuel übernahm aus denRumpoltschwänken Stoff und Handlung zu seinem„, Elsli Tragden-knaben". Beide Alamannen zeigen eine gewisse Abhängigkeitgegenüber solchen ostalpinen Handwerkerspielen auch in ihrenweiteren Stücken. Gengenbachs Vorwurf von den„ Zehn Altern"fand daher gerade in Tirol viele Darstellungen und nachhaltige Ver-breitung. Der neugläubige Schloßherr von Schenna bei Meran, GrafPhilipp von Liechtenstein, hinterließ Mitte des 16. Jahrhundertsu. a. ain schöns einpundens puech, darynnen dasspil Vollmäte stand. Wir dürfen es wohl Gengenbachs ,, Gouch-matt" anreihen oder voranstellen. Unter den von der Gegenrefor-mation beschlagnahmten Schriften wurden außerdem namentlichangeführt: Der ungeraten son, auch spil weis gereimt;Ain tragödi vom opfer der hl. drei khunig; Ainteutsch spil von den zehen altern der ganzen welt;Ain spil vom bruder Clas und brueder Tell; Dreiteutsche comedien und die zehn Alter; Ain teut-scher alter passion. Die Mehrheit dieser Spiele dürfte inihrer a la mannischen Prägung vorgelegen sein. Zur Zeitsolcher Vernichtungen älteren Spielgutes studierte Jakob Gretseran der neuen Jesuitenschule in Innsbruck. Hier lernte er derenerste theatralische Veranstaltungen, die sich aus höfischer, schul-
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