1450: das dorf scholl umbfangen sein mit einemgraben, neben dem ein geesteig für 2 Leute an der Außen-seite anzulegen ist( Nied.- öst. Weistümer, II. Bd., Seite 200, imweiteren nur angegeben mit II 200). Über ihn dürfen gewöhnlichnur 2 oder 3 Stege führen( II 137, Ebersdorf/ Zaya 1514 u. II 201,Nappersdorf), vor denen im Dorf- oder fridtgraben( II 177Hanftal um 1500 und II 197 Patzmannsdorf um 1500) das valtorangelegt ist, das wegen des Viehaustriebes dreier luss weitoffen sein sollte( II 218 Zissersdorf 1541), also mindestens 10bis 15 m und daher nicht leicht zu verteidigen war. An dieses bandman zu Brunn im Felde, wo schwere Verbrecher nicht abgeurteiltwerden durften, den Übeltäter mit einem Strohhalm. Holte ihn derzuständige Richter nicht sogleich, dann ging er frei( II 887, um1490). Das Walltor war verschließbar. Wer es offen ließ, wurdeebenso bestraft wie der, welcher es beschädigte( I 66 Schlatten undLichtenegg 1516) 126). Weit außerhalb dieser Umwallung war dieeigentliche Dorf- oder Gemarkungsgrenze, die durch Grenzsteine,Erdhügel oder Bäume gekennzeichnet war. Diese wurden alljähr-lich gemeinsam vom Ortsrichter, den Geschworenen des Dorfessowie von älteren und jüngeren Bauern abgegangen und nach-geprüft( II 294 Aspern/ Donau 1760, 602 Reinprechtspölla um 1630,842 Zwettl um 1550), wobei man auch junge Buben mitnahm, dienach der Volksüberlieferung bei jedem Grenzzeichen Prügel be-kamen oder tüchtig gebeutelt wurden, damit sie sich die Grenz-plätze für immer merkten.
Innerhalb dieses Dorfgebietes waren Kirche, Pfarrhof, Friedhof,das Haus des Richters sowie die Weingärten allgemein bekannteAsyle oder Freiungen( I 15, 19, 61, 97, 401, 528). Zu Kirchschlagwar es auch die Fleischbank( I 9 um 1590), in Lichtenwörth dieBadestube( I 97 1520) und bei Heiligenkreuz selbst die Schmiede( 1.466 um 1450). In den anderen Landesvierteln war es ebenso. BeiWindigsteig kam die Mühle dazu( II 264 um 1660) und zu Diet-mannsdorf a. d. Wild sogar das alte Silberbergwerk( II 774 1489).Mehrfach war während des Kirchweihfestes der ganze Ort Frei-stätte, so zu Windigsteig, Ober- Rußbach, Hadersdorf am Kamp,Gars und Eggenburg. Wir finden in den Weistümern alle das Volkbeeindruckenden Schandstrafen, wie am Pranger oder unter demKreuze stehen( III 18 Greifenstein 1581, 161 Michelndorf 1648), dasTragen des Bagsteines( III 191 Gemeinlebarn 1598), das Brennender Wangen( III 184 Baumgarten bei Reidling 1637), die Fiedel anden Hals legen( III 131 Anzbach 1671), Leibesstrafen, wie Abschla-gen der Hand( III 37 St. Andrä v. d. Hagental 1489), Ausziehen derZunge oder Ausbrechen der Augen( III 315 Lilienfeld 15. Jahrh.),Abschneiden der Ohren( III 175 Hütteldorf 17. Jahrh.), Prügeln( III 149
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