gesucht werden müssen, sondern in der Heimat häufig bereits inrecht früher Zeit zu finden sind, daß sich vieles sehr geändert hatund gar manches schon lange entschwunden ist. Selbst die Ur-sachen dieser Änderungen lassen sich öfter erkennen.
Gerade die Quellen, die bisher sicherlich am wenigsten heran-gezogen wurden, liefern der Volkskundeforschung das älteste Ma-terial, nämlich die Urkunden, die ja zumeist veröffentlicht, alsoverhältnismäßig leicht benützbar sind. Die Beispiele wurden nuraus zwei von unseren vielen österreichischen Sammelwerken sowieaus einem einzelnen Urkundenbuche gewählt, zu denen mehrereunedierte Stücke nach Zufallswahl kommen. Die älteste heran-gezogene Urkunde ist vom 22. August 11597) und gibt uns bereitsein recht anschauliches Bild von einem klösterlichen Wirtschaftshofzu Neunkirchen. Diesen umgab ein starker Zaun, der durch ent-gegenstehende Dornzweige und zugespitzte Pfähle besonderen Ab-wehrschutz bot( sepis firma ac vice munimenti spinis acutisquesudibus exasperata). Er umfaßte einen Speicher von 100 Fuß Längeund 30 Fuß Breite, einen während langer Zeit des Jahres nutzbarenGemüsegarten, eine Herberge für das Landvolk, die außerhalb desHofes stand, und in letzterem eine heizbare Stube, wie auch eineVorhalle( vestibulum); weiters war er mit allen sonstigen Räumengut ausgestattet( ac ceteris appendiciis diligenter instructum). Ja.zu dem Gute gehörten im benachbarten Mutmannsdorf 4 Wein-gärten, eine Wiese, 3 Felder sowie ein Felsenkeller mit allem Zu-behör an Bottichen, Fässern und anderen Behältern( cum omnibussuis utensilibus, id est cuppis, doliis ac ceteris vasis). Selbst derWeinvorrat ist angegeben, doch bestand er nur aus 3 Eimern. Ineiner Urkunde von 1173 findet sich für einen Hausgarten bereits dieschöne Bezeichnung haim gort( pro orto domestico, qui vul-gariter haimgort dicitur 8). Auch über das Dorf, das insbesonderein den Donaugegenden Österreichs meist eine geschlossene Sied-lung mit einem Graben rings herum bildete, erhalten wir für dasInnviertel urkundlichen Aufschluß, indem das valtor in dieserUmfriedung 1377 genannt wird 9). Selbst in kleinen Orten befandensich schon im Mittelalter öffentliche Badestuben, wie für das Jahr1446 aus dem Aggsbacher Urkundenbuche ersichtlich ist 10). Nachurkundlicher Quelle bezeichnete man bereits um 1240 in der Steier-mark Grenzsteine mit Kreuzen und gab die Entfernungen nachSteinwürfen( ictum lapidis) an ¹¹). Auch der Viehauftrieb auf Almenscheint schon 1376 in einer Urkunde des Stiftes Garsten auf. Esdurften dabei keine fremden Rinder mitgenommen werden ¹²). Sogareine bäuerliche offne hochczeit ist für das gleiche Jahr beiSt. Wolfgang in Oberösterreich bezeugt, bei der in Anwesenheitehrbarer Leute die Überreichung der Morgengabe erfolgte 13). Aus
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