einer zusammenfassenden Gesamtdarstellung selbst aktuell. Als vorzwölf Jahren die ,, Deutsche Volkskunde" Adolf Spamers erschien,wies ich bereits darauf hin, daß es an der Zeit sein dürfte, einnamhaftes Gegenstück für Österreich zu schaffen. Selbstverständ-lich fand ich bei dem damals üblichen nationalistischen Kurs derVolkskunde kein Gehör. Vielleicht sind wir nun heute so weit, anden Plan eines derartigen umfassenden Handbuches heranzutreten,das ich mir, um auch dies gleich anzuführen, besser, vor allemgleichmäßiger gearbeitet als die Spamer- Volkskunde, vorstelle.Dieses Handbuch würde übrigens auch erst die erste brauchbareGrundlage jedes künftigen volkskundlichen Unterrichtes darstellen,besonders an den mittleren Lehranstalten, ob diese nun Volkskundeais eigenen Lehrgegenstand erhalten werden oder mit der Zeit inverschiedenen Gegenständen volkskundliche Themen mitzuberück-sichtigen gedenken. Ein hierfür geeignetes Lehrbuch gibt es ja bis-her ebenfalls nicht.
Ich glaube abschließend sagen zu müssen, daß die Redaktionder beiden vorgeschlagenen Handbücher übrigens wieder dem Ver-ein für Volkskunde überantwortet werden müßte, gleichgültig, wersich nun als Verleger der Herausgabe annehmen wird. Es ist keinunangebrachter Zentralismus, wenn der Verein derartige Dinge fürsich in Anspruch nimmt: ich glaube ja doch gezeigt zu haben, daßdie bisherigen Errungenschaften von hier ausgegangen sind undauch durchgesetzt wurden, wie auch, daß wir auch jetzt das Forumdarstellen, auf dem die Anregungen der zukünftigen Gestaltungunserer Wissenschaft ausgesprochen werden. Der Grundsatz istund bleibt dabei, daß der Verein die Volkskunde nicht um des Ver-eines, sondern um der Volkskunde willen betreibt. Der Sache zu-liebe sprechen wir von den Aufgaben unserer Wissenschaft inunserer Zeit, der Sache zuliebe hoffen wir, daß diese Aufgaben auchihrer Lösung entgegenreifen werden.
1) Als Vortrag in der außerordentlichen Jahresversammlung desVereins für Volkskunde in Wien am 9. März 1947 gehalten. Hier wörtlichwiedergegeben, eventuelle Zusätze usw. als Anmerkungen beigesetzt.
2) Der Ortskatalog des Museums für Volkskunde, der eine erstederartige Hilfe aus der musealen Innenarbeit darstellen soll, befindet sichseit Januar 1947 in Bearbeitung.
3) Zu diesem Thema vgl. meine Besprechung„ Neuausgaben öster-reichischer Volksmärchen“, Wiener Zeitung Nr. 99 vom 27. April 1947, S. 5.4) Vgl. z. B. die Sammlung von Walter Keller, Am Kaminfeuerder Tessiner. Sagen und Volksmärchen. Zürich 1940.
5) In dem Vortrag„ Volkskunde als Geisteswissenschaft" im Institutfür Wissenschaft und Kunst, Wien, am 23. Jänner 1947.
6) Vgl. darüber die laufenden Berichte in der Zeitschrift„ Volkslied-,Volkstanz Volksmusik", Wien.
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