obrigkeitlichen Befehl, sondern durch organisches Wachstum, dieneuen Zellen anschließen. Die Sammelstoffe der Volksliedarchivewären dabei sofort um den papierenen Nachlaß der verschiedenenanderen Sammelorganisationen auf unserem Gebiet zu vermehren,und zwar vor allem um die Materialbestände der verschiedenenLandesstellen des„ Atlas der deutschen Volkskunde", die derzeitwohl in allen Ländern gleichmäßig ungenutzt an verschiedenen amt-lichen Stellen liegen. Für dieses ganze Unternehmen hat ja wohldas Wort gegolten, daß hier ein großer Aufwand kläglich vertanworden sei: wenn wir die an sich durchaus wertvollen Aufzeich-nungen den richtigen Stellen, nämlich jenen zu schaffenden Landes-stellen für Volkskunde zuleiten, mit dem Archivmaterial der Volks-liedarbeitsausschüsse verbinden, dann werden wir jedenfalls un-seren Anteil an dieser Arbeit nicht ganz vertan haben. Auch dasMaterial der in der reichsdeutschen Zeit betriebenen„ Bauernhaus-aufnahme" könnte damit sofort vereinigt werden. Dadurch wäre deransehnlichste Grundstock zu jenen Volkskundearchiven oder Lan-desstellen für Volkskunde in den Ländern mit einem Schlag ge-schaffen. Von ihnen aus wäre dann die Sammlung nach den anderenTeilgebieten in den jeweils möglichen und gebotenen Formen in dieWege zu leiten. Sie könnten, um nur willkürliche Beispiele zu brin-gen, die Bestände an Votivbildern der einzelnen Länder durch-photographieren lassen, sie könnten etwa die Schützenscheiben ingleicher Weise fruchtbar machen, und was es eben für uns augen-blicklich an Sammelaufgaben gibt, die uns von keiner anderenStelle, auch nicht dem Amt für Denkmalpflege, abgenommenwerden.
Hier erhebt sich jedoch nun die Frage nach der Betreuungdieser Stellen, das heißt, es erwächst hieraus die zweite Aufgabeunserer gegenwärtigen österreichischen Volkskunde, nämlich dienach dem
2. Künftigen Personalstand der Volkskunde.
Es gehört zu den österreichischen Unterlassungssünden, daßbisher für die fachlichen Betreuer der Volkskunde des Landes fastkeine Möglichkeiten der beruflichen Ausübung ihrer Wissenschaftgeschaffen wurden. Wir dürften, und es ist ja beschämend, dieZahlen zu nennen, in ganz Österreich vielleicht acht, höchstenszelin wissenschaftliche Posten, einschließlich der Hochschulstellun-gen besitzen, welche dauernd mit akademisch geschulten Volks-kundlern zu besetzen sind. Das bedeutet, daß bei Besetzung dieseracht bis zehn Stellen auf Jahre hinaus keinerlei Möglichkeit für denwissenschaftlichen Nachwuchs besteht, daß man also niemand ratendarf, Volkskunde zu studieren, sowie, daß bisher auch niemand
7